die Gestrandeten Buchbesprechungund Inhaltsangabe

Die Gestrandeten – Buchbesprechung

Endlich ist mir mal wieder ein Zombieroman untergekommen und natürlich gibt es dazu auch eine ausführliche Buchbesprechung mit einer kurzen Inhaltsangabe. Geschrieben wurde es von Dinko Skoplijak und ist 2020 im Ronin Hörbuchverlag erschienen. Der volle Titel lautet Die Gestrandeten: Anno Initium und dieser Buchbesprechung lag die auf Audible erschienene Hörbuchversion zu Grunde.

Die Gestrandeten Inhalt

Die Welt steht Kopf, denn es kam in Frankreich zum Ausbruch einer Seuche, welche sich rasend schnell über den gesamten Kontinent ausbreitet. Die Erkrankten scheinen tatsächlich zu sterben, nur um kurze Zeit später aufzuerstehen und sich auf die Suche nach lebenden Menschen zu machen, um diese durch Bisse zu infizieren. Was vor ein paar Wochen, ja sogar Tagen, noch sehr weit weg schien, bündelt sich in einer Flüchtlingsbewegung in Kataloniens Hauptstadt Barcelona. Verschiedenste Lebenslinien kreuzen sich auf einem Seelenverkäufer, der als Fluchtboot mit Zwischenstopp Mallorca umfunktioniert wurde. Doch neben den Flüchtlingen bringt das Schiff auch den unbenannten Schrecken mit nach Malle und sucht dort eine Gruppe heim, die verzweifelt um ihr Überleben kämpft.

Buchbesprechung die Gestrandeten als Video

Wer nicht selbst lesen mag, kann hier den Beitrag als Video anschauen

Buchbesprechung und Kritik die Gestrandeten

ACHTUNG: In diesem Abschnitt kommt es zu einzelnen Spoilern! Für Zombie-Fans, die sich nicht die Überraschung nehmen wollen, hier ein kleines Resümee bis zum Punkt Fazit: Die Gestrandeten ist ein solider Zombieroman, mit starken Hang zu den Tagebüchern der Apokalypse, sowie mehreren Perspektivenwechsel wie bei Operation Zombie, inklusive Patient 0 Storyline. Für Leute die es ohne Spoiler lesen wollen, geht es unten beim Fazit weiter.

Ohne Spoiler geht es weiter beim Fazit

Bei Zombieromanen bin ich mittlerweile sehr wählerisch und versuche nicht immer alles zu lesen, was mir zum Thema in die Finger fällt. Die Gestrandeten entdeckte ich eher zufällig bei Audible. Um ehrlich zu sein, weil ich noch ein Guthaben übrig hatte und dachte, na gut, dann wenigstens etwas seichte Unterhaltung bei über 9 Stunden Spielzeit. Mit dem Beginn der Geschichte im Innenministerium Frankreichs mit dem Antiheldentypus ignoranter Pedant, der mal wieder nichts mitbekommt, war ich schon kurz vor der Aufgabe des Buchs. Meine Einstellung änderte sich jedoch gründlich mit den weiteren Kapiteln, denn hier kam endlich etwas Spannung auf. Zudem wechselte zum Glück die Perspektive vom Antihelden weg und bezog sich mehr auf einen Durchschnittsbürger mit Überlebenswillen. Unwillkürlich fühlte ich mich immer mehr an das Tagebuch der Apokalypse erinnert, aber dazu später noch mehr. Gerade die erste Flucht über Barcelona mit einem kurzen Robinson-Crusoe-Gedächtnistrip auf die Dracheninsel und dem anschließenden Einnisten auf Malle ist sehr gut geschrieben und übte einen großen Reiz auf mich als Hörer aus. Der Charakter ist ordentlich ausgearbeitet und seine Motivation ist hinreichend erzählt. Alleine für diesen Abschnitt kann ich das Buch guten Gewissens empfehlen, auch wenn ich über kurze Strecken hinweg einiges für etwas übertrieben hielt.

Der Heldengruppenmodus

Der nächste deutliche Break im Buch findet statt, nachdem Nils unseren Helden aufgabelt und in die vorläufig sichere Finca bringt. Endlich findet sich die Heldengruppe im scheinbar sicheren Unterschlupf zusammen. Ich finde das persönlich ein wenig schade, da ich den Solo-Survival-Style durchaus feiere, aber andererseits wird man auch mit neuen Charakteren belohnt. Da wären zum Beispiel die italienische Elitekämpferin Carla, die norwegische Hackerin Waltraut und der exzentrische deutsche Nils. Während des Tages versucht man gemeinsam seine Position zu stärken und Abends sitzt man bei Kerzenschein zusammen und jeder erzählt seine Geschichte. Als Hörer bekommt man so lauter einzelne Zombie-Kurzgeschichten zu hören, die sich inhaltlich zwar stark unterscheiden, aber als gemeinsamen Berührungspunkt immer wieder Barcelona und das Flüchtlingsschiff haben. Ein wirklich netter Kniff des Autors, der für jeden Geschmack etwas bieten sollte, die Charaktere in den einzelnen Sequenzen schön zur Geltung bringt und mich eben stark an Operation Zombie mit den einzelnen Interviews erinnert. Auch wenn ich keine direkten Hinweise auf World War Z fand, so gehe ich stark davon aus, dass es dem Schreiberling bekannt sein muss.

Hommage an andere Zombie-Romane

Die klare Hommage an Tagebuch der Apokalypse im Buch erkennt jeder durchschnittliche Zombie-Leser sofort. Das Hotel 23, sozusagen aus der 2. Bibel der Zombie-Bücher entnommen. Richtig witzig ist der Hinweis des Protagonisten, dass es ein wenig enttäuschend sei, dass es einfach nach der Hausnummer benannt sei und keine tiefere Geschichte dahinter stecken würde. Im Zuge des Realismus kann man solche Geschichten heute natürlich auch recht leicht im Internet überprüfen und die Adresse: Carretera de l’Arenal, 23 weist aktuell auf das Gruptel Acapulco Playa hin. Aufgrund der falschen Aufbauten auf dem Dach, erscheint mir das daneben liegende Hotel Houm Plaza Son Rigo gemeint zu sein. Hier sind die erwähnten Solarmodule in der Satelittenaufnahme zu sehen. Vielleicht ist auch das Hotel Principe gemeint, so genau lässt sich das aus der Ferne nicht bestimmen. Der Sprung vom Dach jedenfalls wäre praktisch überall unmöglich. Der Pool vom Houm liegt laut Legende circa 12 Meter von der Dachkante entfernt und man springt noch über diverse Vorbauten und Balkone.

Der Rettungssprung vom Dach in den Pool

Neben dem Hotel 23 am Ballernann, dümpelt während der Flucht aus einem korsischen Hafen auch noch die Bahama Mama als Yacht vor sich hin und man wundert sich im Buch noch, wer seinem Schiff einen solchen Namen gibt. Auch hier ein klarer Hinweise auf die Tagebücher der Apokalypse. Als regelmäßiger Leser von Zombieliteratur schätze ich diese kurzen Respektbezeugungen sehr und um ehrlich zu sein, ein kurzes Schmunzeln konnte ich mir auch nicht verkneifen.

Patient 0 Story

Jede Zombiewelt benötigt auch seine eigene Hintergrundstory. Schon seit der Nacht der lebenden Toten ist das ein eisernes Gesetz und auch die Gestrandeten macht da keine Ausnahme. In dieser Geschichte basiert es tatsächlich auf radioaktiv verseuchter Hundescheiße. Auch wenn ich an anderen Stellen durchaus mit dem Autor mitgehe, muss ich da doch ein wenig Kritik üben, denn angeblich hat Frankreich den atomaren Abfall aus seinen Kraftwerken immer mal wieder schön gegen Handgeld auf normalen Mülldeponien verbuddelt. Und wäre das nicht schon unglaubwürdig genug, wurde ausgerechnet die Müllkippe schon mehrfach wegen radioaktiver Funde geschlossen. Und falls ich es richtig in Erinnerung habe, hing der Erreger zunächst in einer Ameise fest, bevor er auf den Menschen übersprang. Ich weiß jetzt leider nicht, ob das eine gewollte oder unterbewusste Anlehnung an Spiderman und seinem radioaktiven Spinnenbiss sein soll, aber die Geschichte fand ich deutlich zu drüber. Ein Fass giftiger Chemikalien hätte es doch auch getan, auch wenn ich es zu schätzen weiß, dass überhaupt eine Patient-0 Geschichte existiert.

Kritische Anmerkungen

Neben der etwas übertriebenen Patient-0 Geschichte hatte ich immer wieder mal das Gefühl das man etwas übertrieben hat. Als Beispiele:

  • Carla: Spezialeinheit, Ex-Junkie und rastet bei jeder kritischen Anmerkung zu ihrer Person oder Weiblichkeit aus
  • Norwegische Hackerin Waltraud, die als einzige Verbindung ausgerechnet das letzte Berliner Virus-Forschungs-Labor findet
  • Leiterin Forschungslabor Berlin, die dann noch überlebende Bekannte hat, die ausgerechnet auf Malle ein paar überlebende Kinder in einem Hotel sitzen haben, die dann auch noch als einzige auf der Insel immer mal wieder via Festnetz telefonieren können.

Warum Realismus wichtig ist

Völlig zurecht werden sich jetzt einige fragen, ob ich das ernst meine und mehr Realismus im Zombiegenre erwarte? Die Frage ist völlig berechtigt und selbstverständlich würde ich das nicht bei Klassikern wie Braindead, Zombieland und Shaun of the Dead. Wenn ich aber ein ernsthaftes Z-Szenario habe und das grundsätzliche Setting eigentlich stimmt, warum denn dann nicht? Gerade das zeichnet doch den Erfolg von J L Bourne und Max Brooks der letzten Jahre aus. Also ja, ich erhoffe mir möglichst viel realen Stoff in entsprechenden Büchern. Gerade wenn ich mir die aktuelle Zeit anschaue, in der wir leben, dann müsste das für jeden Zombieautoren ein wahres Füllhorn für neue Ideen sein. Und vielleicht kommt dann tatsächlich eines Tages der Zeitpunkt, an dem die heranstürmende Horde nicht mehr so einfach irgendwelche Haustüren eindrückt. ( zur Erklärung, ihr könnte ja mal eine Wassermelone gegen eine Haustür drücken: geht die Haustür auf, kommt die Horde rein, platzt die Wassermelone, bleibt die Horde kleben). Wenn man also schon so ein großes Potential wie die Gestrandeten zeigt, wünsche ich mir immer noch ein bisschen mehr.

Bei manchen Charakteren merkt man direkt, dass selbst der Autor keine wirkliche Lust auf sie hat. Da sind zum Beispiel die Jugendlichen aus dem Hotel 23 und insbesondere der „30-Jährige“. Kommt bei mir so wie eine Sprechrolle eines Crewmitglieds der Enterprise oder eine Herde Schlachtvieh an.

Zombieentwicklung

Ein weiterer Punkt, der aber wahrscheinlich nur mich stört, ist die sehr rasante Entwicklung der Zombies. Das ist alles fein erklärt und macht auch Sinn, aber falls es mit dieser Z-Welt weitergehen sollte, halte ich die Entwicklung für viel zu flott. Das rasche Fortschreiten erinnert mih ein wenig an den Roman Totes Meer, der zwar stark und neu von der Story war, aber mich als Leser auch ein wenig depri zurückließ.

Trotz der kritischen Anmerkungen muss ich immer wieder betonen, dass die Gestrandeten zu den besseren, wenn nicht sogar zu den guten Zombieromanen gehört.

Fazit die Gestrandeten

Ich möchte das Fazit anfangen, mit meiner Meinung für wen der Roman wahrscheinlich eher nichts ist: jeder der the walking Dead vor allem wegen der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Gefühlsduselei schaut. Santa Clarita Diet und iZombie-Bewunderer dürften wahrscheinlich auch eher enttäuscht sein. Und jetzt wer es meiner Meinung nach unbedingt auf der Leseliste stehen haben sollte:

  • klassische Splatterfans der 80er
  • Fans von J L Bourne, Romero und Max Brooks
  • in Teilen auch noch die Survival- und Prepperszene
  • jeder der sich lieber John Carpenters Vampire reinzieht, anstatt Vampire Diaries

Echte Zombiefans werden sicherlich gefallen an die Gestrandeten finden und zumindest ich bin gespannt, ob davon noch weitere Teile erscheinen werden. Ich bleibe da sicherlich am Ball und hoffe, dass mich der Autor auch weiterhin so abholt, wie er es mit diesem für mich überraschend gutem Zombieroman getan hat.

Wo finde ich das Buch und was sollte ich noch lesen?

Bei Audible und auf Amazon oder ihr sucht im Internet einfach nach dem Ronin Hörbuchverlag. Wer es nicht als Hörbuch mag, der kann sich bestimmt auch die gedruckte Form unter der ISBN 978-3982281506 beschaffen.

Wenn du die Gestrandeten gelesen hast und mehr in dem Stil haben möchtest, dann empfehle ich:

Wenn du jetzt selbst noch ein Buch in diesem Bereich hast, das hier nicht erwähnt wurde, dann lasse es mich bitte in den Kommentaren wissen. Ich kenne aber auch schon solche Werke wie Unter Toten, Feed Viruszone und der Übergang. Und falls du es schon selbst gelesen oder gehört hast, was ist denn deine Meinung zum Buch? Haben dir die Gestrandeten gefallen oder hast du vielleicht sogar einen Kritikpunkt, den ich in diesem Beitrag nicht erwähnt habe?


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