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Interview Mads Pankow – Herausgeber DIE EPILOG

Mit DIE EPILOG findet im Juni ein neues Gesellschaftsmagazin in die überfüllten Regale des Pressehandels. Hinter dem Format steht kein großer Verlag, der versucht effizient Marktlücken zu erschließen, sondern ein junges Team aus ehemaligen Studenten der Bauhaus-Universität Weimar. Den Herausgeber Mads Pankow kenne ich noch aus seinen Marburger Zeiten. Deswegen freue mich mich besonders heute schon vor der Erstausgabe ein Interview zum neuen Gesellschaftsmagazin veröffentlichen zu können.

Interview Mads Pankow – DIE EPILOG

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Der Herausgeber Mads Pankow

Marc: Als du noch in Marburg studiert hast, waren die neuen und neuesten Medien dein Thema.Jetzt veröffentlichst du ein Magazin auf schnödem Papier. Was ist passiert, eine Bekehrung, ein Rückfall?

Mads: Vielleicht eine Abklärung. Die Faszination für das Internet und seine vielfältigen Auswüchse besteht nach wie vor. Meine Abschlussarbeit in Weimar habe ich über „den Menschen des Internet“ geschrieben – eine skurrile aber unterhaltsame Zukunftsgestalt übrigens. Für ihn und seine Anwärter ist auch die Zeitschrift geschrieben.

Marc: Für den Digital Native sozusagen. Aber liest nicht gerade der heute lieber im Internet?

Mads: Doch auf jeden Fall. Im Bereich aktueller Information zum Beispiel ist das Internet unschlagbar. Börsenkurse, Spielergebnisse und politische Entscheidungen lassen sich übers Netz einfach schneller verbreiten. Darunter leiden ja gegenwärtig vor allem die Tageszeitungen. Aktuelle Information ist eigentlich deren Kerngeschäft. Schwierig wird es mit dem Internet erst bei der Frage was man mit diesen Informationen anfangen soll. Umfangreiche erklärende Texte lesen die meisten Menschen doch lieber noch auf Papier.

Marc: Ist das nicht eine Gewöhnungsfrage? Und ist das Grund genug noch ein Print-Magazin rauszubringen?

Mads: Ja, die Lesegewohnheiten werden sich verändern. Nicht verändern wird sich allerdings, dass das Internet ein großes Selektionsproblem hat. Klar gibt es wahnsinnig viele gute Texte im Netz, aber die zu finden ist auch unglaublich aufwändig und Suchmaschinen sind dabei leider auch keine besonders große Hilfe.

Marc: Die Suchergebnisse der großen Anbieter sind in den letzten Jahren allerdings kontinuierlich besser geworden, weil immer mehr Faktoren ins Ranking einbezogen werden.

Mads: Das stimmt, ändert am grundsätzlichen Problem aber nichts. Computer verstehen leider nicht, was sie da sortieren. Digitale Maschinen sind an die formale Eindeutigkeit von 1 und 0 gebunden. Mit den Ungenauigkeiten der Sprache kommen Sie nicht zurecht. Erst recht nicht mit der Ungenauigkeit der Welt. Es lässt sich leider nicht alles formallogisch und eindeutig erfassen.

Marc: Interessant, aber was hat das mit deiner Zeitschrift zu tun?

Mads: Zeitschriften haben nicht vornehmlich die Aufgabe Informationen zu verbreiten, sondern gute Inhalte auszuwählen, anzuordnen und in eine Beziehung zu setzen. Im besten Fall entsteht in einer einzelnen Ausgabe dann eine vielseitige, reflektierte aber stimmige Perspektive auf einen bestimmten Gegenstand. Das ist unser Anspruch. Ich würde es so formulieren: Wenn ich etwas wissen will, schaue ich ins Netz, wenn ich etwas verstehen will, lese ich ein Buch oder eine Zeitschrift.

Marc: Bist du da nicht schon etwas antiquiert?

Mads: Das wird sich sicher auch irgendwann ändern. Aber dazu muss das Internet, oder die Technologie noch bessere Lösungen für die Präsentation redaktionell selektierter Inhalte finden. Bisher sind gedruckte Blätter da noch die beste Lösung. Allein schon weil sie klare Grenzen, einen Anfang und ein Ende haben und nicht in die Beliebigkeit tausender Blogeinträge ausfransen.

Marc: Diese Skepsis gegen das Netz und Social Media kennt man ja aus dem Printbereich.

Mads: Ich will hier auf keinen Fall in das Selbstmitleid der klassischen Printemedien einstimmen. Viele Inhalte werden sich ins Netz verlagern, da müssen wir uns drauf einstellen. Aber sicher nicht alles.

Marc: Siehst du das gar nicht kritisch?

Mads: Nein. Die Gesellschaft verändert sich. Das ist für mich erstmal immer Anlass zur Freude. Es geht weiter. Mich interessiert warum sich die Dinge verändern und wo es hingehen könnte. Deshalb hat unser Heft ja auch den Untertitel „Zeitschrift zum Gesellschaftswandel“.

Marc: Das klingt wahnsinnig unkritisch.

Mads: Ich würde DIE EPILOG auch nicht als gesellschaftskritisch bezeichnen. Klar sind wir nicht mit allem einverstanden, was passiert, aber an und für sich stehen wir dem Wandel sehr positiv gegenüber. Wir wollen uns erstmal auf Veränderungen einlassen und sie verstehen. Affirmative Kritik könnte man das nennen. Sowas würde ich selbst gerne öfter lesen.

Marc: Also doch ein Heft über Sachen, die man selbst gerne lesen würde?

Mads: Selbstverständlich. Ich glaube allerdings, dass es diese Artikel und das Format wirklich noch nicht woanders gibt. DIE EPILOG ist für uns wirklich eine Vision.

Marc: Wie darf man sich derlei Traumbilder vorstellen?

Mads: Wir wollen – ganz bescheiden – neue Erklärungen für unsere Welt anbieten, mit einem optimistischen Tenor und an konkreten Gegenständen.

Marc: Was für Themen erwarten einen da?

Mads: Wir wollen übergreifenden Wandel in alltäglichen Dingen entdecken. Die erste Ausgabe findet den Gesellschaftswandel im Neuen Idealismus genauso wieder wie im Stage Diving, im Like-Button bei Facebook oder dem Sample in der Rapmusik.

Marc: Klingt nach einer bunten Mischung.

Mads: Gehört aber alles zusammen. Ich muss gestehen, dass es nicht immer Absicht war, aber ich glaube unser Anliegen eine gut ausgewählte vielschichtige und unterhaltsame Perspektive auf ein bestimmtes Thema zu werfen, ist uns in der ersten Ausgabe gut gelungen.

Marc: Was ist denn nun das Thema der ersten Ausgabe?

Mads: „Nicht resignieren! Irgendwas geht immer.“

Marc: Das wünsche ich euch auch!

Mads: Danke dir.

DIE EPILOG – Termin und Kaufstellen

Die erste Ausgabe von DIE EPILOG erscheint am 06.06.2013. Käuflich erwerben kann man sie im gut sortieren Bahnhofsbuchhandel und gut sortiertem Pressehandel. Wer sich nicht selbst auf den Weg machen möchte oder gleich ein abonnement will, kann sich gerne auf www.die-epilog.de weitergehend informieren.

Das Literaturasyl bleibt selbstverstädlich am Thema dran und wird einen weiteren Bericht zur Erstausgabe online stellen.

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

3 Gedanken zu „Interview Mads Pankow – Herausgeber DIE EPILOG“

  1. Hey, das ist wirklich interessant! Danke für das nette Interview, ich werde die Erstausgabe mindestens mal im Zeitschriftenhandel anschauen und durchblättern und kaufen, wenn ich irgendwo hängen bleibe.
    Ich finde es mutig, ohne Scheuklappen und „digital angst“ bewußt auf das Printformat zu setzen.

  2. @Zaphod 42
    Noch kann man DIE EPILOG auf Startnext unterstützen, allerdings endet die Kampagne in ein paar Tagen. (Damit bekommt man die Zeitschrit nach Hause geschickt). Wer mag, darf da natürlich auch gerne einen Blick riskieren.

  3. Sehr cooles Interview! Ich kann Mads Pankow nur zustimmen, sehe viele Punkte absolut genauso. Witzig auch, dass wir einen ähnlichen Weg gehen. Auch ich möchte ein neues Magazin auf den Markt bringen, ebenfalls bei Startnext: Und das ebenfalls als Digital Native, der ein großer Fan des Internets ist – aber eben auch von Gedrucktem. Print und Online haben sich für mich noch nie ausgeschlossen.

    Und Die Epilog habe ich natürlich auch auf Startnext unterstützt und gerade vor kurzem die Erstausgabe per Post erhalten. Am Wochenende werde ich mir das Magazin näher anschauen – auf dem Weg von Bonn nach Berlin, sofern die Mitfahrgelegenheit etwas stiller wird 😉

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