Titel einen Scheiss muss ich

Einen Scheiss muss ich

Diese Buchkritik beschäftigt sich mit „Einen Scheiß muss ich“ von Tommy Jaud, der unter dem Sean Brummel schrieb. Ob der starke Titel auch dem Inhalt entspricht und um was es überhaupt geht, soll im nachstehenden Text geklärt werden. Tommy Jaud ist ein deutscher, recht erfolgreicher Autor, dessen bekannteste Werke bis jetzt wohl der Vollidiot und Millionär sein dürften. Der Vollidiot wurde mit Oliver Pocher verfilmt, was ich aber zum Zeitpunkt des Lesens noch nicht wusste. Ich hatte auch keine Ahnung, dass es sich um einen deutschen Autor handelt.  Im weiteren Beitrag findet ihr auch ein kleines Video, in welchem ich das Buch bespreche.

Buchinhalt einen Scheiß muss ich

Sean lebt ein richtiges Scheißleben. Er malocht die Woche über, ist mit seiner diktatorischen Frau verheiratet und irgendwie plätschert alles nur vor sich hin. Am Wochenende macht er mit seinen Kumpels einen drauf. So können sie wenigstens für ein paar Stunden ihr Leben vergessen, aber trotzdem schließt irgendwann auch die letzte Bar und die Tretmühle beginnt von vorn.

An einem Wochenende gehen sie auf ein Festival und Sean klaut ein Fass Bier, damit man die Party noch ein wenig verlängern kann. Logisch, der Pechvogel fällt mit dem Fass ein paar Polizisten direkt vor die Füße und diese knasten ihn erstmal ein. Er gibt sich reumütig und erklärt den Polizisten, was ihn daheim erwartet und wie bekloppt seine Arbeit ist. Die Polizisten haben zwar Verständnis, aber die Kaution von 100 $ muss er trotzdem blechen. Leider hat er nur 99,60 $ in der Tasche und seine Frau weigert sich ihm die restlichen 40 Cent zu bringen. Somit bleibt Sean die Nacht im Kittchen, hat den stylischen Spitznamen 40 Cent und versucht unter allen Umständen aus dem Bau zu kommen. Er hätte noch dies und das zu tun, muss noch den Müll rausbringen, ist mit seiner Frau heute bei den Andersons eingeladen und überhaupt, er müsste noch so viel tun. Da meint der Polizist: „40 Cent einen Scheiß musst du…“

Sean legt sich auf die Pritsche, denkt darüber nach und kann das erste mal seit Jahren 7 Stunden am Stück pennen. Er wird sich bewusst, dass er eben nicht in der Tretmühle festhängen muss, sondern nur sich einfach nur in diese Rolle gefangen sieht, obwohl er es gar nicht ist. Fortan ändert er sein Leben radikal und bringt uns allerlei Weisheiten über Dinge, die wir ganz anders sehen können. Warum sind Veganer scheiße und keine Menschen, Warum man nicht aufräumen muss, warum man nicht abnehmen sollte und warum Sport kacke ist.

Buchkritik einen Scheiß muss ich

Das erste Kapitel, welches ich gerade im Inhalt beschrieb, ist wirklich stark. Fast schon eine Art Bukowski. Er leidet, er hängt in der Suppe des Lebens und eigentlich will er nur seine Ruhe haben. Perfekt, auf den Punkt und ich freute mir einfach nur einen Ast beim Lesen. Starker Titel, starker Anfang, was will man mehr. Nach dem ersten Kapitel geht es allerdings mit Seans Weisheiten über alles und Jeden los. Niedriges Niveau, niedrige Schreibe und vor allem ganz bitter populistische Argumentationsketten. Klar, es sind immer wieder ein paar Lacher dabei, aber dafür dann noch einige hundert Seiten zu lesen. Mir hat es leider keinen Spaß gebracht.

Zum Beispiel wird argumentiert, wie toll es ist Argentinisches Rindersteak aus der Massentierhaltung zu futtern. Schließlich ist es besser, dass man das Steak aus Argentinien einfliegen lässt mit der gesamten Kuh, anstatt direkt nach Argentinien zu fliegen um dort eine Steak zu futtern. Da klascht mein Kopf direkt mit Anlauf an die Wand. Warum verteidige ich jetzt eigentlich die Vegetarier-Seite? Kühe sind zum Essen da und gebt mir ’ne Knarre, ich hole mir mein Steak schon selbst. Man könnte vielleicht besser einheimische Kühe futtern und den dafür entsprechenden Preis zahlen.

Grundsätzlich ist ein Buch, welches dieses ganze peinliche Ratgeber-Genre auf die Schippe nimmt eine gute Idee, aber die Umsetzung schmeckt mir nicht. Vielleicht bin auch nur ein wenig enttäuscht, da das erste Kapitel wirklich toll war und dann dieser 100%-Break ins genaue Gegenteil. Oh man, hätte es Jaud doch nur durchgezogen, aber nööö, für die die einfach gestrickte Leserschaft wirds schon reichen.

Wenn man im Freundeskreis Ökos, Tussen, Essensnazis, Sportfanatiker, karrieregeile Vollspasten, Eltern oder sonstige gesellschaftliche Abnormitäten sein Eigen nennen darf, kann man sich das Buch durchlesen. Vielleicht kann man mit den aufgeführten Argumenten die eine oder andere langweilige Party überstehen und einen Pseudo überführen. Man kann es auch verschenken an solche Leute oder deren Partner und so ein wenig Unfrieden stiften.

Wenn ich mir sicher wäre, dass Jaud im Stil des ersten Kapitels ein ganzen Buch schreiben würde, wäre ich sofort dabei und würde es mit Freuden lesen. Der Rest vom Buch überzeugt mich aber nicht und na ja, deutsche Literaten sind im allgemeinen ja sowieso Lowskiller, schlimmer sind nur noch deutsche Filmemacher. Der Titel und die Aufmachung sind der Knaller und alleine dafür hätte ich die 16,99 € ausgegeben und das erste Kapitel, ach ich muss aufhören davon zu schwärmen. Und ja, ich weiß, ich bin auch ein wenig selbst schuld. Hätte ich der Buchhandlung mal reingeblättert, aber nö, typisch vom Titel geblendet.

Wer das Buch selbst kaufen möchte, darf das gerne über den Link hier machen. Der geht zu Amazon und ich bekomme ein paar Cent davon ab:

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Man kann sich das Buch aber auch überall anders kaufen oder es lassen.

Fazit einen Scheiß muss ich

Für den Nachttisch einfacher Menschen reicht es, für alle die mehr von Büchern erwarten, wohl eher nicht. Ökos, Vegetarier, Mütter, Sportler, usw sollten sich zumindest mal das zu ihnen gehörende Kapitel durchlesen, damit sie einen Blick über den eigenen Tellerrand werfen und die eigene Doktrin ein wenig hinterfragen. Wenn ich mir sicher wäre, dass Jaud ein Buch vollständig im Stil des ersten Kapitels veröffentlichen würde, wäre ich sicherlich ein begeisterter Leser und würde ihn dafür abfeiern. Allerdings habe ich nicht vor eines seiner bisherigen Bücher zu lesen und warte lieber auf die Dinge die da noch kommen mögen. Die Anlagen zu einem echt großen Schriftsteller sind definitiv vorhanden, bleibt nur noch die Frage, ob er es in einem zukünftigen Werk auch aufs Papier bringt. Tommy Jaud ist bei mir als Autor jedenfalls abgespeichert. Wer sich mit seiner Schreibe identifizieren kann, wird mit den bisherigen Büchern sicherlich auch seinen Spaß haben. Das behaupte ich jetzt einfach mal so, ohne sie wirklich zu kennen.

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

2 Gedanken zu „Einen Scheiss muss ich“

  1. Schade – das erste Kapitel klingt nach einem typischen Jaud. Kommt danach aber nur die Stammtischsche aller Randgruppen und Sektierer, brauche ich das nicht.

    Übrigens finde ich „Vollidiot“ und „Millionär“ lesenswert. Urlaubslektüre, eine große Literatur. Nicht mal sympatischer Antiheld und Hänger bekommt eine große Chance und vergeigt sie ….

  2. Hi Frank,
    leider kenne ich die beiden genannten Bücher nicht direkt, vielleicht entsprechen sie auch genau seinem Stil. Wie gesagt, wenn er nochmal etwas im Stil des ersten Kapitls schreiben würde, könnte ich es voll feiern, aber so reichte es mir einfach nicht. In der Zwischenzeit gabs aber schon wieder ein paar andere Bücher und ob die besser waren, kann man dann im entsprechenden Beitrag lesen 😉

    mfG

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