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Buchbesprechung

Racheopfer – Cross

Ich habe nun endlich den 5. Teil der Shepherd-Serie in die Finger bekommen. Der Titel Racheopfer verspricht wieder einiges und Ethan Cross hat mit den ersten Teil bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist Thriller zu schreiben. Lasst uns den Beitrag doch einfach unter das Motto: „Neues von Francis Ackerman jr“ stellen.

Racheopfer Inhalt

Francis hockt mal wieder komplett verschnürt in irgendeinem Knast und soll von einer Reporterin interviewt werden. Einer der Wärter war mal wieder nicht aufmerksam und schloss die Handschellen nicht fest genug. Das nutzt Francis selbstverständlich für eine kleine Showeinlage um weiter an seiner Legende zu stricken.

Nichts desto trotz wird er einige Zeit später aus dem absoluten Topknast zu Forschungszwecken in eine Klinik verlegt, wo er eigentlich ebenso gesichert sein sollte. Leider erkennen die Sicherheitsbehörden zu spät, dass die zuständigen Forscher und Ärzte dort selbst massive psychische Probleme haben und sogar eines von Ackermanns ehemaligen Opfern dort arbeitet. Anstatt das Opfer einer Racheaktion zu werden, sieht Ackermann seine Chance und tut das, was er am besten kann. Wurde eigentlich schon erwähnt, dass der 200 Jahre alte Flügel der Nervenheilanstalt noch immer so aussieht, als hätten ihn die letzten Patienten gerade erst verlassen?

Racheopfer Buchkritik

Eigentlich handelt es sich gar nicht um den 6. Teil der Serie, sondern um ein Prequel in Form einer Kurzgeschichte oder je nach Quelle ein Test-Geschichte zur Shepherd-Reihe. Die mir vorliegende deutsche Version ist wohl im Oktober 2018 erschienen, glaubt man jedoch Google war die Erstveröffentlichung 2011 und wäre somit der eigentliche erste Band der Reihe. Wie dem auch sei, ich verwende für die Buchbesprechung die Hörbuchversion von Audible mit einer Spieldauer von 2 Stunden und 40 Minuten. Alleine daran erkennt man schon die recht komprimierte Storyline, was mich in diesem Fall aber gar nicht wirklich stört. Über die Jahre hinweg freue ich mich zwar noch immer, wenn ich in der Buchhandlung einen neuen Band der Serie entdecke, bin aber weit von der Begeisterung früherer Jahre entfernt. Die Figuren haben sich recht gut entwickelt und die Geschichte hat durchaus ihr Potenzial ausgeschöpft, wodurch die Kurzgeschichte eine willkommene Abwechslung ist. Für Leser, die noch gar keins der Bücher gelesen haben, kann ich nur abraten mit diesem Werk anzufangen, denn teilweise wird schon viel von der Geschichte der späteren Bücher vorweg genommen.

Man ist von Ackermann so einiges gewöhnt. Der Superkiller, mit den unglaublich trainierten Fähigkeiten, der praktisch noch in jeder so ausweglosen Siutation eine Möglichkeit findet mit seinem perfiden Werk fortzufahren. Racheopfer macht dabei keine Ausnahme, auch wenn das Setting recht reizvoll ist. Ackerman passt einfach gut in eine verlassene Nervenheilanstalt aus der Jahrhundertwende. Ich würde fast schon soweit gehen und es als sein natürliches Habitat ansehen wollen. Während des Lesens erinnert man sich fast automatisch an das Arkham Asylum in Gotham City aus der Batman-Welt. Leider wird diese Situation nur zum Ende des Buchs wirklich genutzt und bietet einen schönen Schauplatz für den Showdown des Buchs. Hauptsächlich spielt sich das Buch im modernen Hochsicherheitsflügel der Klinik und in anfänglichen Hochsicherheitsgefängnis statt. Auch die haben ihren eigenen Reiz, allerdings störe ich mich insbesondere an der modernen Variante der Klinik. Die Beschreibung der Sicherheitsmaßnahmen und deren Anordnung macht bei genauerer Betrachtung für mich keinen Sinn. Auch die sehr einfache Überwindung durch mit Schlafmitteln versetzten Kaffees verspottet ein wenig die Intelligenz des Lesers.

Charaktere und Entwicklung

Zur Hauptgeschichte der Serie wird in Racheopfer gar nichts beigetragen. Es gibt nur den einen oder anderen Querverweis zur schwierigen Familiengeschichte mit dem Vater, aber Marcus spielt in diesem Buch zum Beispiel gar keine Rolle. Auch charakterlich gibt es bei Francis keine Entwicklung oder Überraschung, sondern er ist schon zu diesem Zeitpunkt die fertig ausgebildete Killermaschine.

Die restlichen Charaktere beschränken sich so ziemlich auf ihre Rolle und agieren dabei meist recht stumpf. Das ehemalige Opfer Ackermans mit einem richtigen Dachschaden und Rachegedanken, welches durch Namenswechsel aus jeglichem System verschwindet. Ein Ex-Soldat mit einer Belastungsstörung, der sich ebenfalls direkt mit Francis zu tun haben darf und durch jegliches offizielles Raster fällt. Dazu noch einen unfähigen Klinikleiter, unfähiges Wachpersonal, eine unfähige Journalistin und nur unfähige offizielle Stellen. Auch wenn die Charaktere und ihr Handeln recht gut beschrieben werden, so nimmt es mir doch ein wenig die Leselust. Nehmen wir zB den Vorlauf zum großen Showdown: man schneidet dem Verbrecher den Weg ab, indem man das Gebäude umläuft. Soweit so gut und auch logisch. Der nächste Schritt besteht darin, dass man jetzt Eintritt, sich an der ersten Weggabelung aufsplittet und sich danach einzeln abschlachten lässt. Wohlgemerkt wir sprechen unter anderem von ausgebildetem Wachpersonal und einem Ex-Elitesoldaten, die absolut darüber im Bilde sind, was da im Gebäude auf sie wartet. Man kann mich ja verrückt nennen, aber vielleicht hätte ich mich einfach 20 Meter vor die Tür mit der Knarre gesetzt und alles umgelegt, was durch die Tür gekommen wäre. Ganz wahnsinnig wäre die Idee sich da versetzt aufzustellen und die Tür bei jeder Bewegung ins Kreuzfeuer zu nehmen. Bei diesem Setting hätte es Francis nicht so leicht gehabt und wir sprechen da nur von völlig normalen Verhalten und noch keineswegs von echten Profis. Würde also nur jeder Charakter im gröbsten Sinne seiner Fähigkeiten und Ausbildung handeln, wäre die gesamte Geschichte sicherlich viel spannender geworden.

Fazit und Zusammenfassung Racheopfer

Ich fand es schön endlich wieder etwas von Francis Ackermann jr zu lesen. Die Geschichte hat mich letztendlich aber doch enttäuscht, da die handelnden Personen viel zu stumpf und dumm agieren. Das ganz klassische Setting einer renovierungsbedürftigen Nervenklinik verspricht mehr, als die Geschichte letztendlich halten kann. Auch die Idee eines ehemaligen Opfers, welches auf Rache aus ist, könnte im Grunde schon eine ganze Geschichte alleine tragen, aber die Motivation allein reicht nicht für eine gute Umsetzung aus.

Vielleicht habe ich auch nach der längeren Lese-Pause bei der Shepherd-Serie einfach zu große Erwartungen gehabt, aber Racheopfer hat mir Marcus und Francis zumindest aktuell etwas verdorben. Ich weiß zwar, dass es schon weitere Bücher direkt in der Hauptstory gibt, aber die werden jetzt erst mal auf Eis gelegt. Zumindest bis ich mal wieder eine größere Leseflaute haben sollte, werde ich keine weiteren Bücher aus der Serie lesen. Wer ein echter Fan der Serie ist, der wird um Racheopfer nicht herumkommen und dieses sicherlich lesen wollen. Wer nur die Serie zur Unterhaltung liest, sollte Racheopfer vielleicht besser auslassen, damit ihm das Lesevergnügen daran auch weiterhin erhalten bleibt.

Sonstige Beiträge zur Serie

Folgende Beiträge wurden zu den anderen Büchern der Serie schon hier auf dem Literaturasyl veröffentlicht.