Kein Dsl verfügbar... danke Telekom

Dein Freund die Telekom

Dein Freund, die Telekom 8. Oktober 2010

Als Kreativen kommen einem die Ideen meistens an den ungewöhnlichsten Orten. Diese gilt es dann möglichst schnell zu überprüfen und umzusetzen. Bei mir setzt dieser Modus meist morgens nach dem Schlaf ein. Gerade mal eine kleine Tasse Kaffee und dann ab an den Rechner. Hier erfolgt die schlagartige Ernüchterung, denn die nette Telekom bietet, wie schon so oft zuvor, kein Netz auf meiner Internetleitung an…

Ich tippe 192.168.2.1 in meinen Browser ein und verbinde mich mit meinem Router. Alle Daten stimmen, ich resete den Router… einmal… zweimal… Immer noch kein Internet. Der schon stoische Griff zum Telefon und auswendig wähle ich die Nummer der Störungsstelle. An diesem Punkt kommt einem die Erkenntnis, dass wenn man egal von welchem Unternehmen die Störungsnummer auswendig kennt, grundsätzlich etwas schief gelaufen sein muss.

In der Leitung meldet sich der Telefoncomputer und wie in Trance kämpfe ich mich durchs Sprachmenü:

„ STÖRUNG… JA… KUNDENBERATER…JA“

Ich gelange in die gewohnt letzte Fahrstuhlmusikwarteschleife und lausche der so bekannten Melodie. Ein Stoßgebet gen Himmel soll helfen, dass ich bitte, bitte keinen Vollidioten am anderen Ende der Leitung erwische. Gleichzeitig brennt sich mir die Vorstellung ein, dass der Komponist der Musik unsagbare Reichtümer anhäuft. Selbst Stairways to Heaven habe ich nicht so oft gehört. Ein kurzes Schweigen in der Leitung lässt mich hoffen, nur um 2 Sekunden später die Bandansage hören zu dürfen, dass man bei Problemen mit dem Anschluss auch gerne die Homepage der deutschen Telekom im Internet besuchen kann. Ich beschließe, dass sie mich an dieser Stelle immer besonders verarschen.

Ein Knacken und das berühmte Doppel-Tüt kündigt das Ende meiner Leiden an oder deren Beginn. Völlig abhängig davon, wen ich ans Rohr bekomme. Eine Frauenstimme meldet sich mit starkem ostdeutschen Akzent und wünscht mir einen guten Tag. Selten fühlte ich mich im Leben so verloren. Ich melde mich mit vollem Namen, sage auswendig meine zehnstellige Kundennummer auf und ende mit: „mein Internet funktioniert nicht“. Hastig, fast panisch hänge ich die Infos ran, dass ich den Router schon zweimal resetet habe, das alle Daten stimmen und das alle Kabel stecken.

Wie immer eine völlig überzogene Erwartung, dass man darauf eingehen würde.

„Haben sie alle Kabelanschlüsse überprüft?“

„Ja.“

„Leuchten alle Lampen an ihrerm Router?“

„Nein, ich sagte doch, ihr schickt mir kein Internet.“

„Haben Sie Ihren Router schon resetet, also ausgeschaltet und wieder eingeschaltet?“

„Ja, wie schon gesagt, zweimal.“

„Sind alle Zugangsdaten richtig hinterlegt und eingetragen?“

„Ja, sie sind seit 10 Jahren hinterlegt und richtig, ich sage doch, Eure Leitung ist tot.“

„Dann messe ich kurz mal die Leitung durch.“

„Danke“

.

.

.

„Hören sie, mit der Leitung ist alles in Ordnung, ich kann hier keinen Fehler feststellen.“

„Fräulein, jetzt hören sie mal, ich bin nicht online und in den letzten 10 Jahren war es immer Eure Schuld und nie meine, wenn das passierte. Wie groß ist wohl die Chance, dass der Fehler diesmal bei mir liegt. Ich besitze einen Internetservice, richte DSL-Leitungen professionell ein und werde von Kunden dafür bezahlt, dass ich mit Euch telefoniere. Also, wie groß ist wohl die Chance…“

„Ja, sie müssen ja nicht gleich unfreundlich werden.“

„Sie sagen mir aber mit der Leitung wäre alles in Ordnung und ich sitze hier aber ohne Netz.“

„Ich kann ja nicht sehen, ob sie online sind oder nicht. Ich habe dazu keine Berechtigung.“

„Und warum unterhalte ich mich dann mit Ihnen?

„Ich gebe das dann an die Technik weiter und die melden sich dann bei Ihnen.“

Es wird mir ein Rückruf bis 12 Uhr Mittags versprochen. Freitag Mittag 12 Uhr und ich bin den Tränen nahe, denn wenn es nicht auf Anhieb klappt, ist das ganze Wochenende im Arsch und ich kann mir drei Tage frei nehmen. Montag würde dann der Anruf kommen und es würde irgendwas genuschelt, man hätte etwas getan und es würde jetzt wieder funktionieren.

Kein Wort der Entschuldigung, kein Wort was man getan hat, einfach eine klassische Politik des Schweigens.

Da mir das alles schon bewusst ist und ich mich so darüber aufregen, dass ich all diese Dreckszahlen auswendig kenne, obwohl ich sie in einer perfekten Welt vor vielen Jahren nur einmal in den Router hätte eingeben sollen, sitze ich hier und schreibe diesen Text.

Vielleicht liest ihn ja eines Tages ein anderer Betroffener und erkennt sich wieder. Wir sind keine bedauerlichen Einzelfälle, wir sind auch nicht wenige, wir sind verdammt viele und die Realtität. Soll mich der Telescheiß doch verklagen, was sollen sie mir denn antun? Die Leitung kappen?

Kein Dsl verfügbar... danke Telekom

Dein Freund die Telekom II 24. Oktober 2010

Sonntag Morgen, die erste Tasse Kaffee in der Hand. Den Rechner angeschmissen und schon ist die Leitung tot. Ich freue mir direkt ein zweites Loch in den Arsch. Nicht mal zwei Wochen hat die Scheiße gehalten. Also die berühmt berüchtigte Nummer mal wieder blind gewählt und direkt Störung Ja Kundenberater Ja und ab geht es zur Musik. Verschissen am Sonntag. Mal wieder die gleiche beschissene Mucke und mir brennt sich unweigerlich eine Frage in den Kopf. Warum belegt diese Musik eigentlich nicht ständig den ersten Platz der deutschen Charts? Keinen Song höre ich so oft und ständig wie dieses hässliche Geduddel.

Acht Durchläufe später erreiche ich eine nette Dame vom Support. Ich schildere wie immer mein Problem, sage brav dass ich schon alles resettet habe und einfach gerne wissen würde, wie lange der Zustand denn dieses mal andauert. Klar, die Dame gibt nicht so schnell auf, lässt mich nochmal resetten und versucht verzweifelt, mir die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich erdulde es einfach und nach der Leitungsmessung sagt die nette Dame, dass wirklich ein Massenproblem vorliegt und es bis 13:00 Uhr behoben wäre. In den folgenden Stunden lese ich die letzten 250 Seiten eines Romans.

15:00 Uhr immer noch kein Internet. Ich erdreiste mich wieder den Support anzurufen. Warte immerhin 16 geschlagene Minuten mit der Duddelmucke und komme schließlich zu einem netten Herren. Ich gebe brav meine Daten durch und schildere, dass die nette Dame von Morgens sagte, es läge ein Massenproblem vor und es hätte bis 13.00 Uhr behoben sein sollen. Ich wüsste nur gerne, bis wann es denn noch dauern würde.

Er fragt mich nach meinem Router und meint, meine Zugangsdaten könnten nicht gespeichert sein. Ich solle sie neu abspeichern. Ich erkläre ihm, dass mein Router absolut in Ordnung ist und noch nie Mucken machte. Er zwingt mich trotzdem an meine Zugangsdaten, aber diese stehen jungfräulich wie immer an Ort und stelle. Auf seinen gaaaanz besonderen Wunsch hin speichere ich diese noch einmal. Ergebnis, die Leitung ist wie mein Nervenkostüm völlig am Ende. Schließlich schaut der Herr am anderen Ende der Strippe endlich in seinen Rechner und stellt voller Erstaunen fest, dass wirklich ein Baugruppenelement bei der Telekom im Eimer ist. Das Problem wäre um 16:00 Uhr gelöst. Ich frage ihn, wie 16:00 Uhr, ich dächte um 13:00 Uhr. Er verneint, da würde 16:00 Uhr stehen. Ich lege einfach auf.

17:00 Uhr voller Offlinemodus. Weil ich ja nichts besseres zu tun hätte, rufe ich aus purem Spaß wieder die Hotline der deutschen Telekom an. Nette 17 Minuten Warteschleife und schon habe ich wieder einen der fähigen Kundenberater am Apparat. Blabla, die Schuld liegt wie immer nicht bei mir und trotzdem wird sich nicht bei mir entschuldigt. Oh und tatsächlich liegt das Problem überraschenderweise bei der Telekom. Immerhin gibt es auch gute Nachrichten, denn es ist jetzt ein Zeitpunkt für die Lösung des Problems angesetzt… 21.00 Uhr. Ich versuche mein Glück auf andere Art und Weise und frage frech nach, wie es denn mit einem Rechnungserlass aussehen würde. Schließlich habe ich schon über eine Stunde am Telefon verbracht, nur damit ich wieder und wieder verarscht werde. Ich werde abgewimmelt, denn Kohle gibt es nur ab 24 Stunden Ausfall.

Ratet wer gerade Morgens um 2.00 Uhr vorm Rechner sitzt und diesen netten Text tippt. Ich hätte ihn ja direkt gebloggt, aber dieses Privileg steht mir auf unbestimmte Zeit nicht zu. Wobei, ich habe so eine ganz bestimmte Ahnung, dass meine Leitung wie durch ein Wunder kurz vor 10:30 Morgen früh laufen wird…

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

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