Griechenland Krise einfach erklärt

Griechenland befindet sich in einer tiefen Krise und man kann keine Zeitung mehr aufschlagen ohne etwas darüber zu lesen. Gleichzeitig kämpft die Europäische Union für eine Stabilisierung und Rettung Griechenlands und schimpft dafür auf die Ratingagenturen. Der deutsche Steuerzahler steht verwundert daneben  und staunt, dass er mit seinen Steuern für hunderte Milliarden Euro bürgen soll. Hier eine verständliche und einfache Erklärung der Krise.

Griechenland Krise einfach erklärt

Das Problem der Krise hat Griechenland vollkommen selbst zu verantworten und das Land ist nicht das Opfer irgendwelcher dubiosen Spekulanten. Schon im Jahr 2004 fiel auf, dass die öffentlich genannten Zahlen zur Staatsverschuldung Griechenlands nicht stimmen können.

3% Staatsverschuldung

In der Euro-Zone herrscht ein Pakt, dass unter allen Umständen eine Neuverschuldung von 3% pro Jahr nicht überschritten werden darf. Selbst Deutschland nimmt es mit dieser Grenze allerdings nicht immer ganz genau und hat schon den einen oder anderen Rüffel dafür aus Brüssel bekommen. Ziel dieser 3% ist eine stabile Währung und stabile wirtschaftliche Systeme. Dem Normalbürger kommt es nun so vor, als wären die 3% absolut zu sehen, heißt wenn ich einen Haushalt von 100 Milliarden zur Verfügung habe, kann ich 3 Milliarden Schulden machen. Dem ist aber nicht so, denn es handelt sich hierbei gar nicht um absolute Schulden, sondern um Schulden, die über die Neuinvestitionen hinaus gehen. Wenn ich als Staat also irgendwo, sagen wir mal in die Post, 10 Milliarden stecke und diese mir vollständig Leihe, dann hat er nach dem Euro-Pakt immer noch keine Schulden aufgenommen.

Grichenland überschritt diese 3% regelmäßig und ständig und schönte dabei die Höhe der Neuverschuldung. Im Jahr 2009 kam es zu einem Regierungswechsel in Griechenland, nach der die tatsächliche Neuverschuldung ans Licht kam. Statt geschätzter und geschönter 6% lag Griechenland circa bei 12-13 %.

Jedem normalen Menschen ist klar, dass wenn er pro Jahr 20.000.- € verdient und jedes Jahr zusätzliche 2500.- € Kredit aufnimmt, kann es nicht lange gut gehen. Schließlich müssen Kredite irgendwann zurück gezahlt werden und dazu kommen noch Zinsen. Griechenland erwies sich in diesem Punkt nicht gerade als Mathegenie.

Die Ratingagenturen

Nachdem die tatsächliche Verschuldung Griechenlands ans Licht kam, setzten die Ratingagenturen die Bonität Griechenlands herab. Darauf schimpfen alle Politiker, obwohl es der Job der Ratingagenturen ist. Die Bonität gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit man sein Geld zurück bekommt, wenn man es an das bewertete Unternehmen oder Land leiht. Je besser das Rating ist, desto weniger Zinsen erhält man für ein gegebenes Darlehen. Sinkt die Bonität, steigen die Zinsen und man gleicht so das zusätzliche Risiko aus. Die Ratingagenturen haben also nichts anderes getan, als zu sagen: „Leute schaut, Griechenland hat schon so viele Schulden, wie wollen die das zurück bezahlen?“

Das Pech für Griechenland dabei ist, für neue Kredite müssen sie nun höhere Zinsen bezahlen und da man aber schon so viele Schulden hat, muss man Kredite aufnehmen, um die alten Kredite bedienen zu können.

Eigentlich der perfekte Zeitpunkt um seine Pleite zu erklären. Ein Unternehmer wäre zu diesem Zeitpunkt sogar dazu verpflichtet, ansonsten würde er sich wegen Insolvenz-Verschleppung schuldig machen.

Leider ist es nicht so einfach einen Staat pleite gehen zu lassen.

Warum bürgen die anderen EU-Staaten

Damit Griechenland nicht den Bach runter geht, bürgen die anderen EU-Staaten mit sogenannten Rettungsschirmen. Griechenland verpflichtet sich im Gegenzug ein strammes Sparpaket einzuhalten.

Wäre Griechenland ein abgeschirmtes Wirtschaftsgebilde, könnte man einfach den Bankrott erklären und man hätte einen Neubeginn. Dies geht leider nicht so einfach, da ja Griechenland sich das Geld irgendwo geliehen hat und dies wurde vor allem über Staatsanleihen betrieben. Diese Staatsanleihen liegen jetzt überall bei Banken herum und würde Griechenland pleite gehen, würden die Banken keinen Cent mehr vom Geld sehen. Die Folge davon wäre, dass massenweise Banken ebenfalls Pleite gehen würden, da sie das Geld verloren hätten, was wieder dazu führen würde, dass es letztendlich bei uns kein Geld mehr für Unternehmen geben würde. Dies führt zu einer Stagnation in der Industrie und schließlich würden alle Beteiligten einen famosen Abwärtsstrudel besteigen.

Aus diesem Grund versucht man Griechenland verzweifelt am Leben zu halten, den letztendlich hängen bei uns in Deutschland eine Menge Jobs indirekt davon ab.

Sinnvoll ist dies nicht, denn schließlich bürgen wir nun für die Schulden anderer und vor allem für den Mist, den andere gebaut haben.

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

4 Gedanken zu „Griechenland Krise einfach erklärt“

  1. Schön das es mal jemand gelingt ökonomischen Sachverhalt anschaulich und didaktisch einwandfrei zu vermitteln. Findet man leider selten.

  2. vielen dank für die anschauliche darstellung. endlich mal wer, der klartext redet, und sein unwissen nicht mit unnötigem beamtendeutsch, fremdwörtern und falschgesetzten fachbegriffen zu verschleiern versucht, sondern geradewegs zum ziel argumentiert.

  3. Wow, vielen Dank, ich finde das Thema ziemlich kompliziert
    und brauchte dringend das Grundwissen, da wir es grad im Politikunterricht behandeln. Echt verständlich, obwohl ich Politik
    am wenigsten kann! :)

  4. finde es wirklich zu simpel erklärt. vor allem der part der ratingagenturen: griechenland wurde da schon opfer, genau wie deutschland. denn wir haben stets nur gute bewertungen erhalten, die dazu führten, dass wir als perfekter geldgeber dastehen und griechenland unter die arme greifen müssen (eben weil wir es „können“). gibt noch genügend weitere kritikpunkte an den ratingagenturen.
    und außerdem ist griechenland hier als das böse in person dargestellt. klar, das land hat einige fehler gemacht (wie zb geschönte budgetzahlen vorzulegen), aber dennoch spielen hier eigentlich mehr ursachen eine rolle, als nur diese. zb hast du die finanzkrise 2008 außen vor gelassen…

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