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Der reichste Mann von Babylon

In der heutigen Buchbesprechung behandeln wir das „Der reichste Mann von Babylon“ geschrieben von George Samuel Clason.  Erstaunlich ist vor allem, dass es seine Erstveröffentlichung 1926 hatte und bis heute zu einem der beliebtesten Titel zur finanziellen Bildung gehört. Für viele Leser ist es sogar die Grundlage für ihre finanzielle Bildung. Doch lohnt sich die Lektüre des Buchs überhaupt und wenn ja, wer sollte der reichste Mann von Babylon lesen?

Der reichste Mann von Babylon Inhaltsangabe

Auf 144 Seiten werden dem Leser in anschaulicher Weise die 5 Grundregeln von Geld und von finanziellem Erfolg auf recht unterhaltsame und anschauliche Weise erzählt. Die Geschichte spielt wie der Titel schon verrät im alten Babylon und zwei Freunde sind trotz Arbeit immer Pleite und sehen für sich keine rosige Zukunft. Da kommen sie auf die Idee ihren ehemaligen Kameraden zu befragen, der zwar genau wie sie auch recht einfach angefangen hat, aber mittlerweile zu den reichsten Männern der Stadt zählt. Von der Idee begeistert kommt am nächsten Tag ein ganzer Tross zusammen und stattet dem Reichen einen Besuch ab. Dieser zeigt sich sehr freundlich und offen gegenüber den Besuchern und erzählt freimütig, wie er seinen Reichtum erlangte. Zum Beispiel spart er von allem Einkommen immer 10 % und versucht dieses Kapital gewinnbringend zu investieren. Viele der Besucher winken direkt ab und fast jeder ist der Meinung, dass er von seinem Gehalt nichts zurücklegen könne, da das Geld kaum zum Überleben reichen würde.  Dem wird entgegnet, dass sich unter den Besuchern Leute mit höherem Einkommen befinden, manche müssen ganze Familien ernähren oder haben ihr ganzen Einkommen für sich allein und trotzdem scheint jeder der Anwesenden immer pleite zu sein.

Zu einem späteren Zeitpunkt im Buch erscheint zum Beispiel ein Speermacher beim Goldverleiher und bittet diesen um seinen Rat. Dieser ist sehr verwundert, da alle immer nur Gold von ihm leihen wollen, um damit ihre Probleme zu lösen. So lädt er den Speermacher zum Essen ein und hört sich sein Anliegen an. Der Speermacher hatte dem König eine neue Speerspitze vorgestellt und aus lauter Begeisterung darüber wurde ihm eine Belohnung von 50 Goldstücken übergeben. Dieser Betrag scheint im Buch ein kleines Vermögen zu sein und nun geht es über den Umgang mit diesem Schatz. Den einerseits freut er sich über die Anerkennung und über das Geld, andererseits wird er nun ständig von allen Bekannten, Freunden und Verwandten belagert, die plötzlich seine Hilfe benötigen, bzw. mit ganz tollen Investitionsmöglichkeiten an ihn herantreten.  Der Goldverleiher hört ihm aufmerksam zu, stellt einige Nachfragen und erzählt dem Speermacher dann ein Gleichnis von einem Ochsen, der mit einem Esel befreundet ist. An dieser Stelle möchte ich die Moral nicht weiter ausbreiten, sondern lieber zum selber lesen aufrufen. Dieses kleine Gleichnis löste bei mir doch einen gewissen AHA-Moment aus und ich werde hoffentlich auch langfristig meine Schlüsse daraus ziehen können.

In dieser Art und Weise wird der Leser nach und nach mit kleinen Geschichten in die Welt der Finanzen eingeführt. Je nach Ausgabe hat das Buch einen Umfang von circa 144 – 210 Seiten und da es schon 1926 veröffentlicht wurde, gibt es unzählige Ausgaben.

Der reichste Mann von Babylon Besprechung & Kritik

Um es schon vorweg zu nehmen, das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und liest sich großartig. Wenn dem nicht so wäre, dann würde es sicherlich heute nicht mehr zu den Grundlagen und Klassikern der Finanzliteratur zählen.  Die Geschichten sind eingängig und selbst wenn man sich nicht besonders für Geld interessiert, so bleibt doch das eine oder andere beim Lesen hängen. Die Tipps sind so simpel konstruiert, dass sie wirklich jeder versteht und durch die ständige Wiederholung kann sich das Wissen durchaus auch ins Langzeitgedächtnis einnisten.  Trotz dieser offensichtlichen manipulativen Techniken des Autors liest  es sich glatt und angenehm. Auch wenn es sich anbietet in einem Rutsch durchgelesen zu werden, kann ich nur empfehlen das Buch stückweise  oder den einzelnen Kapiteln folgend über längere Zeit zu lesen. Es hat schon fast etwas von einem guten Wein, den man tunlichst genießen sollte, denn betrachtet man die sonstige Finanzliteratur da draußen, ist es wirklich selten, dass man ein so nettes Buch über die Grundlagen findet, welches auch noch in solch netten Geschichten verpackt ist. Ganz im Gegenteil, ich bin der festen Überzeugung, dass viele der Finanzgurus ihre Bücher direkt auf dem reichsten Mann Babylons fußen lassen und dabei eben nicht die Eleganz des Originals erreichen.

Vielleicht liegt es gerade an der Schlichtheit der Figuren, welche die eigene Fantasie anregen, aber wenn der einfache Barde, der sich kein neues Instrument leisten kann, auch nur so beschrieben wird, dann lässt es der eigenen Vorstellungskraft viel Platz. Der Reiche, der Arme, die Fleißigen, die Interessierten, da trifft so ziemlich alles aufeinander und der Leser baut sich Bilder im biblischen Kontext oder aus 1001 und einer Nacht im Kopf. Diese Lebendigkeit der Geschichten sind ganz feine Zutaten für ein sehr angenehmes Lesevergnügen.  Zum Beispiel hatte ich hier im Blog auch schon einmal des Investmentpunk zum Thema Finanzen vorgestellt und auch diese Buch hatte ich in einem Zug gelesen. Wenn ich aber beide Bücher direkt miteinander in Bezug auf das Lesevergnügen vergleiche, liegt der reichste Mann von Babylon immer noch ein Stück weiter vorn.  Um fair zu sein, der Investmentpunk ist immer noch ein großartiges Buch und hat mehr Bezug zur aktuellen Situation.  Trotzdem komme ich nicht umhin auf den Umstand Hinzuweisen, dass der reichste Mann von Babylon die fünf Regeln des Gelds beschreibt und es bei der damaligen Ausgabe des Investmentpunks um die 5 finanziellen Irrtümer der Mittelschicht geht. Ein Schelm wer da einen direkten Zusammenhang erkennen mag.

Empfehlung, Fazit und weitere Gedanken

Ich studierte über 4 Semester BWL und du kannst mir glauben, solche Bücher haben wir da nicht zum Lesen bekommen. Da ging es um trockenste Buchführung, um Unternehmensformen, um Steuern und vielleicht noch um Geld als Kommunikationsmittel und die Bedürfnispyramide.  Da sage ich doch schade, denn solche Geschichten, die wirklich Lust am Geld und am wirtschaftlichen Handeln fördern und erwecken haben durchaus ihre Berechtigung. Man stelle sich nur mal vor, dass dort Leute für verantwortliche Positionen in der Wirtschaft ausgebildet wurden und die dabei niemals die Grundlagen und den Umgang mit Geld lernten. Als wäre das nicht schon schlimm genug, kümmern sich meine damaligen Mitstudenten heute nicht nur um ihr eigenes Geld, sondern auch noch um das Geld anderer Leute. Und vielleicht auch aus gerade diesem Grund sind einige davon heute immer noch so pleite wie zu ihrer Studentenzeit. Hätten sie nur mal den reichsten Mann von Babylon gelesen…

Ja, ich gebe dem Buch eine volle Empfehlung, auch wenn an manchen Stellen die stumpfe Wiederholung der großen Weisheiten etwas nervt. Es ist ein rundum gelungenes Werk, es hat mir großes Lesevergnügen bereitet und ich werde die nächsten Tage über den Autor recherchieren um hoffentlich noch weitere Bücher von ihm lesen zu können.

Wie ist denn deine Meinung zum Buch? Hast du es selbst schon gelesen oder bist du nur rein zufällig über den Titel gestolpert?  Schreib es mir in die Kommentare.

Daten zum Buch

  • Autor:  George Samuel Clason
  • Originaltitel: The Richest Man in Babylon
  • ISBN-10: 3442163838
  • Erstveröffentlichung: 1926

 

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