Buchbesprechung im Artikel

Der Doppelgänger von Dostojewski

In der heutigen Buchkritik geht es um die kurze Geschichte „Der Doppelgänger“ von Fjodor Dostojewski. Es handelt sich hierbei um eines der frühen Werke des Autors, von dem ich zuvor schon „Der Spieler“, sowie „Schuld und Sühne“ gelesen hatte. Dostojewski gehört zu den großen russischen Autoren und entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung an „Der Doppelgänger“

Der Doppelgänger von Dostojewski

Inhalt

Zunächst wird der Held der Geschichte Jakov Petrovič Goljadkin vorgestellt und man erfährt von seinen persönlichen Lebensverhältnissen. Es handelt sich um einen kleinen russischen Beamten, der einen Diener zuhause hat und anscheinend alleinstehend ist. Er ist alleinstehend und scheint keinen besonderen Umgang mit anderen Menschen zu pflegen. Er selbst sieht sich als absolut ehrlich und der Wahrheit verpflichtet, wie er immer wieder betont. Gesundheitlich angeschlagen begibt sich her Goljadkin zu einem Arzt und wird dort mit einer Medizin versorgt. Seine Zuneigung zur schon versprochenen Klara wird nicht erwidert und schließlich spielt Herr Goljadkin, der sehr gerne von sich in der dritten Person erzählt, mit Selbstmordgedanken. Bei einem gesellschaftlichen Anlass trifft Herr Goljadkin auf einen anderen Herrn Goljadkin, der sein perfektes Ebenbild zu sein scheint. Nun beginnt eine tragische Geschichte zwischen den beiden Doppelgängern, die sich immer weiter zuspitzt.

Der Doppelgänger Buchkritik

Ich hatte mir der Doppelgänger als Urlaubslektüre eingepackt und das Buch hat mich einerseits schwer beeindruckt, andererseits aber auch sehr verstört. Es ist definitiv nicht Dostojewskis einfachstes Werk und man kommt nur schwerlich voran. Die monologisierende Erzählung, gepaart mit den manchmal sehr verworrenen Gedanken des Goljakins zu sich, seiner Umwelt und vor allem zu seinem Doppelgänger, sind äußerst anstrengend. Das Duckmäusertum, welches der Protagonist pflegt, macht es selbst für einen geneigten Leser nicht einfacher. Zudem muss man seine volle Aufmerksamkeit der Geschichte widmen, damit man gerade weiß, welcher Satz zu welchem Herrn Goljakin gehört.

Während der Lektüre des „Der Doppelgänger“ erwartete ich immer wieder eine entscheidende Wendung, einen Spannungsbogen oder eine Auflösung, die mit aber durch Dostojewski nicht gegönnt wurde. Erst spät begriff ich, dass es sich hierbei um die Erzählungen eines alten verwirrten Mannes handelt. So ließ mich das Buch recht depremiert zurück und ich muss zugeben, dass ich zunächst enttäuscht war. Jetzt, mit einigen Tagen Abstand zur Lektüre, erinnere ich mich jedoch gerne daran zurück und bin recht stolz auf mich, dass ich mich durch ein nicht ganz einfaches Stück russischer Literatur gekämpft habe.

Der Doppelgänger ist sicherlich nicht als leichte Urlaubslektüre geeignet und spricht ein eher literarisches Publikum an. Es ist anstrengend, unbefriedigend und langwierig, zudem hat es herzlich wenig mit Dostojewskis späterem Werk zu tun. Andererseits war es zumindest für mich sehr interessant zu lesen, auch wenn es regelrecht in einen Kampf ausartete.

Von mir gibt es deswegen für „Der Doppelgänger“ eine eingeschränkte Leseempfehlung. Wer sich an diese Art von Literatur wagt, wird entweder damit leben müssen oder sie verdammen.

 

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

3 Gedanken zu „Der Doppelgänger von Dostojewski“

  1. Eine angenehme nüchterne und ehrliche Einschätzung dieser Geschichte.
    Ja. Mit dem Doppelgänger haben Sie sich sich ein gutes Stück Verwirrung mit in den Urlaub genommen :-) Mir erging es mit dem Doppelgänger ähnlich wie Ihnen: Immer auf der Hut, wer denn nun gerade am Zuge ist. der Echte oder der Doppelgänger. Die Idee empfand ich als ausgesprochen reizvoll. Nur wei Sie es bereits angesprochen haben. Etwas mehr Klarheit, bei aller Verwirrung, wäre für den Leser eine etwas sichere Führung und man hätte etwas länger Freude an der Geschichte, die zum Schluß sozusagen „ausfranst“. Eine schlichte Parallele zu seinem Spätwerk, dass mir weitaus näher liegt, ist jedoch seine Zähheit. Um gewisse Längen kommt er scheinbar nie herum. Vielleicht liegt es aber daran, dass seine Werke alle zuerst in Periodika auf Vorschuss geschrieben wurden. Da war er natürlich, bei aller Tiefe, ebenfalls kommerziellen Gesetzmäßigkeiten unterlegen.
    Sollte Sie Dostojewski über den Doppelgänger hinaus interessieren, sollte Ihnen ein Blick auf meine Dostojewski-Page, vielleicht Freude bereiten. http://dostojewski.npage.de/

  2. Wer ein Mal genauer darüber nachdenkt, was Dostojewski mit seiner Geschichte meinen und wollen könnte, dem dürfte die Erzählung keineswegs „langwierig“ und „schwierig“ vorkommen. Aber man muss ja auch nicht über Literatur nachdenken. Traurig.

  3. @Milan
    Wenn man den Doppelgänger in den direkten Vergleich zu Dostojewskis sonstigen Werken setzt, dann fehlt einiges. Sicherlich hatte Dostojewski tiefere Intentionen, aber die liegen eben im Auge des Betrachters. Letztendlich lässt sich über Literatur zwar nicht streiten, aber immer wieder herrlich diskutieren 😉

    mit besten Grüßen.

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