Hier sieht man den Titel von das Parfum

Das Parfum

Unser heutiger Roman wurde in 48 Sprachen übersetzt und hat über 20 Millionen Exemplare verkauft. Er hielt sich nach seinem Erscheinen neun Jahre lang in der Spiegel-Bestsellerliste und es erschien auch erst nach neun Jahren die Taschenbuchausgabe. Die Rede ist von Patrick Süskinds Welterfolg „Das Parfum“. Unter anderem kommen in diesem Artikel gleich zwei Meinungen vor: einmal die unseres Gastbloggers und unseres Admins höchstpersönlich.

Inhalt das Parfum

Wir begegnen unserer Hauptfigur, Jean Baptise Grenouille, der als Sohn einer Fischhändlerin auf die Welt kommt, aber eigentlich mit den Fischabfällen entsorgt werden soll. Nach einigen Episoden in Kinderheimen und in der Gerberei, erfüllt sich Grenouille seinen Traum und geht bei einem Parfumeur in die Lehre. Seine Nase ist nämlich außergewöhnlich gut, er kann aus jedem Duft zweifelsfrei seine Bestandteile herausfiltern. Eines Abends trifft er ein Mädchen, deren Duft für ihn so unwiderstehlich ist, dass er diesen Duft konservieren möchte. Nach einigen Eskapaden, bei denen er sich zwischendurch über sieben Jahre lang versteckt und herausfindet, dass er selbst keinen Eigengeruch besitzt, beginnt er zu morden. Er tötet Jungfrauen, rasiert ihnen den Schädel und konserviert ihren Duft in Fett, bis er schließlich auch sein Mädchen vom Anfang wiedertrifft und aus ihrem Duft die Krönung, die dreizehnte Essenz seines perfekten Parfums macht. Als er für diese Taten getötet werden soll, legt er dieses Parfum auf und verwandelt den Zuschauerraum in eine Orgie. Selbst der Vater des getöteten Mädchens möchte ihn dank des Parfums als Sohn adoptieren. Desillusioniert kehrt er an den Platz seiner Geburt zurück, übergießt sich mit dem Parfum und lässt sich aus Gier von einer Menschengruppe auffressen.

Kritik Gastblogger

Es fiel mir recht schwer, die Handlung so kurz zu halten, wie ich es sonst tue, man verzeihe mir meine etwas ausgedehntere Zusammenfassung. Das Besondere dieses Romans ist natürlich zunächst diese Handlung, die irgendwie total befremdlich wirkt und doch eine gewisse Faszination ausübt. Die extrem detaillierte Beschreibung der Gerüche ist unglaublich gut gelungen und Faszination und Ekel liegen bei diesem Roman sehr dicht beieinander. Unter anderem die sehr schöne Beschreibung der Morde sorgt dafür, dass hier eine Art Ästhetik des Hässlichen aufgebaut wird.

Andererseits ist auch der Text und sein Aufbau einen Blick wert. Da sei beispielsweise der allwissende Erzähler, der nicht nur beschreibt, sondern auch mit einer feinen Ironie das Geschehen kommentiert, zu nennen. Viele Stellen des Buches weisen eine hohe Intertextualität auf, beispielsweise wird das Schöpfungsmotiv der Bibel aufgegriffen und verarbeitet – für eine grobe Auflistung solcher Bezüge sei mal der entsprechende Absatz aus der Wikipedia empfohlen, da steht einiges Interessantes drin.

Fazit der Sache ist also, dass das Parfum es schafft, auf verständliche Weise eine nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, dem geneigten Leser aber auch extrem viel Raum für eigene Interpretation lässt und sich literarisch auf sehr hohem Niveau bewegt. Einen derart gelungenen Roman kann ich eigentlich nur weiterempfehlen, er ist stellenweise etwas abstoßend, was ihn aber nicht in seiner Genialität beeinflusst. Von mir kann es daher nur die vollen 10/10 Punkte geben.

Kritik Webmaster zu das Parfum

Das Parfum ist wahrscheinlich der beste deutsche Roman des damals endenden 20. Jahrhunderts. Einerseits einfach nur packend in seiner großartigen Geschichte, andererseits immer spannungsgeladen, wie es wohl weitergehen mag.  Besonders eindrucksvoll ist das Spiel des Autors mit den Gerüchen, die man als Leser zwar nicht tatsächlich riecht, sich aber von seiner Fantasy immer wieder verführen lässt. Das Leben in der Anonymität des Protagonisten ohne eigenen Geruch, obwohl er gleichzeitig mit Geschmack und einem außergewöhnlichen Riechorgan gesegnet ist.  Dies alles funktioniert wunderbar im Buch und gleichzeitig lässt es die Jahre später erschienene Verfilmung so unendlich schlecht aussehen. Das Fernsehen kann keinen Geruch vermitteln und deswegen kann es nicht klappen, aber die Fantasy des Lesers kennt hier keine Grenzen und trägt einen in das alte Frankreich mit all seinen feinen Gerüchen und seinem fauligen Gestank.

Die Figur des Grenouille ist großartig beschrieben und ich bin ein großer Fan des Buchs und auch des Autors. Ich hatte das Vergnügen ein Interview in der Harald Schmidt Show mit Partrick Süßkind zu sehen. Kann man denn glauben, dass der Roman das Parfum zunächst von irgendeiner Verlagstussi abgelehnt wurde? Gerade zu herzhaft die Geschichte, dass er später, nachdem der Roman alle Erwartungen übertraf, den Namen der Dame ihrem Chef nannte und nur dazu sagte, dass genau diese Dame der Grund dafür sei, dass der Roman in einem anderen Verlag erschien. Diese kleine Anektodte passt letztendlich auch wieder zum literarischen Thema und erinnert stark an den Grafen von Monte Christo.

Ich weiß gar nicht, wie tiefschichtig der Roman eigentlich ist und darüber wird sich die Literaturwissenschaft über die Jahre hinweg den Kopf zerbrechen. Da sind alle Weggefährten, die ein grausames Schicksal erleiden, weil sie das Talent Grenouilles auf die eine oder andere Weise ausnutzen. Da sind die Jungfrauenopfer, die einzelnen Gerüche, sowie das fullminante Ende. Vielleicht sollte man an dieser Stelle wieder nicht zu viel interpretieren und mehr das Gesamtwerk auf sich wirken lassen. Vielleicht so wie Kafkas Verwandlung in einem Zug, in einem Rausch gelesen werden sollte und nicht zu Tode analysiert. Gute Literatur braucht keine Klempner die sie erklären, sie spricht den Menschen direkt an und somit für sich selbst. Das Parfum ein wirklich großes Stück deutsche Literatur.

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

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