informtiver Beitrag

Die Russenmafia, die Polizei, zwei Banken und mein Konto…

Ich bin Schwabe und lebe im Exil in Hessen. Dies ist keine Strafe durch meinen Stamm, sondern man betrachte es eher als missionarische Tätigkeit um den Hessen ein wenig Zivilisation näher zu bringen. Um meine Bande zur Heimat nicht ganz zu verlieren, hält die Landesbank Württemberg mein Privatkonto, das Geschätskonto liegt allerdings dann doch bei der Sparkasse hier in Hessen.
Anfang des Monats war das Konto ein wenig angegriffen, allerdings noch alles im Bereich der Liquidität. Na ja, es war EM, da belangt man gerne mal seinen Dispo ein wenig. Als ich anfang des Monats dort nichts ziehen konnte, dachte ich mir nichts weiter dabei, nur vielleicht das meine Bank ein wenig auf doof macht, aber was solls, lebte ich halt vom Geschäftskonto und dachte nicht weiter darüber nach. Am 10.7. kam dann mein Gehalt und ich war wieder frisch und wollte eine Abhebung machen, aber wieder nichts. Ich versuchte es nochmal und es klappte nicht. Ich ging zur Arbeit (24 Stundenschicht) und rief am Freitag gleich bei der BW an. Dort hieß es erstmal, ich hätte offene Geldautomatenauszahlungen auf dieses Konto von 1.180.- €. Jetzt war Polen offen, denn das wäre das Doppelte vom Dispo gewesen und mir legte die Dame erstmal ein paar Fragen näher: Ob ich die Karte aus der Hand gegeben hätte, ob ich die Karte überhaupt noch besitzen würde, ob ich in diversen Geschäften mit der Karte bezahlt hätte? Weitere Auskünfte bekam ich nicht, denn ich konnte nicht beweisen, dass ich selbst anrief und die Bank durfte nichts aus Datenschutzgründen sagen.
Sofort das Konto gesperrt, die Karte gesperrt und mir wurde geraten, gleich eine Anzeige zu stellen. Zum Glück ist mein Chef so cool drauf, dass er mir freie Hand lies. Rein ins Auto und ab zur Polizei. Betrugsdezernat und den Sachverhalt geschildert und natürlich wollte ich wissen, ob es manipulierte Automaten in Marburg gab oder nicht. Die Antwort war ernüchternd, denn ich war der einzig bekannte Fall. Der nette Herr Polizist sah mich eindringlich an und meinte dann zu mir, ich müsste hier jetzt nicht aussagen, ich könnte die Aussage durchaus verweigern, also ich müsste wirklich nichts sagen. Der Gesetzgeber würde mich nicht dazu zwingen, mich selbst zu belasten.
Der einzige Fall im ganzen Landkreis und der Polizist klärt mich erstmal über meine Rechte auf. Ratet mal was der dachte und ganz ehrlich gesagt, seine Augen glänzten dabei auch ein wenig versonnen… Ich bot dem Polizisten eine Vollmacht über mein Konto an, dass er bei der Bank anrufen könne, um dort Einsicht in alle Vorgänge zu bekommen. Darauf meinte der Polizist, würde gar nichts bringen, denn er würde anrufen und die Bank würde nur meinen, da könne ja jeder anrufen und sich als Polizist ausgeben.
Anzeige in der Hand und raus aus der Polizei mit einer riesen Wut im Bauch. Ich benutze die Karte nur an eigentlich sicheren Stellen und fummel auch an jedem Geldautomaten herum, ob nicht was Angebautes dran ist. Ich betreibe selbst einen kleinen Internetservice und verwende die Karte nicht im Netz und ausgerechnet mich haben sie abgezogen. Ich war soooo stinkig und stellte mir nur die ganze Zeit vor, wie irgendwo in Moskau oder sonstwo auf der Erde nen Mafiosi lachend vorm Geldautomaten steht und sich über meine Dummheit kaputt lacht, während ich hier der Hauptverdächtige für die Polizei bin.

Rein ins Auto und los gings, gleich mal ein paar neuralgische Stellen aufgesucht und schön auf die Kacke gehauen. Überall bescheid gegeben, es sollten ja keine Überwachungsbänder gelöscht werden und heilige Rache geschworen. Schonmal grob überlegt, wie ich mich vorm Richter rechtfertigen würde, wenn ich den Täter in die Finger bekomme und er danach keine mehr hätte.
Ab zur Sparkasse und dort nachgefragt, ob es Unregelmäßigkeiten in letzter Zeit gab. Dort erteilte man mir dann die Auskunft, nein die Sparkasse hätte keine und noch nie Probleme mit manipulierten Automaten gehabt. Jede Bank, natürlich nur die Sparkasse nicht. Über soviel Dreistigkeit musste ich dann doch lachen und mir war klar, das die Bank sowas nicht zugeben würde. Also rein ins Auto, zurück ins Geschäft.

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Meine letzten 5 € erstmal in Kippen investiert und mir ein paar Gedanken gemacht. Keine Asche, Wochenende, mein Geld hat jeder, nur ich nicht, dafür Ermittlungen, die eindeutig in meine Richtung weisen und es war einfach niemand aufzutreiben, der dafür würde leiden müssen.
Wieder ran ans Telefon und die Sparkassenzentrale angerufen, um dafür zu sorgen, dass ich vielleicht die Bänder einsehen könnte. Dort wurde ich erstmal 5x weiterverbunden und erzählte immer wieder brav meine Geschichte, bis ich schlußendlich bei der zuständigen Stelle an der heiligen Mittagspause scheiterte. Um nicht untätig zu sein, wieder bei der BW angerufen und dort wurde ich zu einem höheren Tier durchgestellt, das mir dann ein paar Infos zukommen lies. Zumindest kam raus, es war keine Kartenduplette und alle Abhebungen wurden im Monat Juli in Marburg getätigt. Ich bekam die Beträge, das Datum mit zugehöriger Uhrzeit und Automatennummer durchgesagt. Auf meine Fragen, wieso diese Beträge meinen doppelten Dispo übersteigen können, warum diese nicht gebucht waren und warum mich niemand informiert hatte, konnte mir der Herr aber leider auch nicht sagen.
Langsam zog die Schlinge um meinen Hals zu, mit meiner eigenen Karte in Marburg, ich sah mich schon mit ’nem Achter in U-Haft sitzen. Die Story würde mir nie jemand abnehmen. Ich schaute mir die Liste an und sah dann, dass alleine am 10.7. nochmals Abhebungen für 630.- € stattgefunden hatten und das war gestern. Endlich ging mir ein Licht auf, denn jedesmal wenn ich versucht hatte Geld zu ziehen oder mein Konto gecheckt hatte, wurde mir die Asche fröhlich abgebucht, nur das ich kein Geld erhielt. Alle Buchungen lagen an ein paar Tagen und fanden praktisch in der gleichen Minute statt. JETZT WAR ICH WIRKLICH SAUER!

Also Sturmklingeln bei der zuständigen Nummer bei der Sparkasse und endlich bekam ich die gute Frau an den Apparat. Die meinte dann nach mehrmaliger Erklärung, ja dies sei ein ganz normaler Vorgang und ich meinte, ich muss gleich ganz normal Amok laufen. Es war mittlerweile nach 14.00 Uhr Freitags nachmittags.
Die Dame bedurfte um weiterzukommen eine Übermittlung meiner detektivischen Arbeit und wieder war mein Chef so cool, dass ich kurz eine Email raushauen konnte. Um 15.00 Uhr kam der Rückruf, bei dem mir gesagt wurde, joa, zumindest die anfänglichen Buchungen, da hätte ich kein Geld erhalten, den Rest könne man noch nicht überprüfen, man müsste erst eine Anfrage der BW haben.
Also ich wieder bei der BW angerufen und gesagt, sie sollen doch bitte der SK eine Anfrage zufaxen, damit das endlich ein Ende haben würde. Darauf meinte die BW, sie bräuchte für die Anfrage an die SK aber eine Anfrage von der SK. Meine Hutschnur ging nicht hoch, die klappte blitzartig auf Anschlag. Ich versuchte locker zu bleiben, auch mit der einsetzenden Schnappatmung und rief wieder bei der SK an. Dort sagte man mir, dass ohne Anfrage, sie keine Anfrage stellen würden, so dass sie auch keine Anfrage erhalten würden. Außerdem wäre ich ja nicht wirklich freundlich und überhaupt die SK könnte ja gar nichts dafür. Ob ich nicht mein Konto von der BW zu ihnen als Zweitkonto holen wolle…
Wieder die BW angerufen, die hatte mittlerweile angefangen die offensichtlichen Falschbuchungen von Anfang des Monats selbstständig zu löschen und GOTT SEI DANK ich brachte sie dazu, selbst mit der Sparkasse zu telefonieren und mich nicht mehr als Hans-Wurst-Mittelsmann zu missbrauchen. Trotzdem meinte die BW noch zu mir, na ja die Sparkasse hat da ja scheiße gebaut und ob ich nicht mein Konto nicht zur BW holen wolle, damit ich nichts mehr mit der SK zu tun hätte.

Das Ende vom Lied? Natürlich nicht, denn das Konto bleibt übers Wochenende samt Karte gesperrt. Höchstwahrscheinlich muss ich ein paar Briefe verschicken, in denen ich beweise, das ich mein Konto und mein Geld wieder haben möchte und wann ich an die Asche komme, ist auch noch mehr als fraglich. Meine Eltern waren so freundlich und überwiesen mir auf mein Geschäftskonto eine Summe, an die ich bis Montag auch nicht komme, aber mein Chef lieh mir wenigstens Geld für ein paar Bier. Wenn ich alle Unterlagen zusammen habe, geht es zur Polizei und dort wird dann mein Licht hoffentlich wieder gerade gerückt.

Systemfehler und Bürokratie, die sorgen für die wahre Action in unserem Land.
Was habe ich daraus gelernt? Vielleicht werde ich ja Genosse bei der Volksbank oder eröffne ein Konto auf den Caymen-Island oder Lichtenstein. Außerdem bin ich erstmal froh, dass mein Geld nicht in Moskau gelandet ist, ich kein Verbrecher bin und mich in nächster Zeit wohl auch nicht nach irgendwelchen Seifen bücken muss.
15 Kilometer Autofahr – 3€
40 Telefonate quer durch Deutschland – 10€
Briefe, neue Karte, Entsperrung – 20 €
bemerken, daß man vom System gefickt wurde – priceless

Gruß

Euer RL-Abenteurer

AMUNO

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

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