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Warum Liverollenspiel – LARP

Alrune rührte missmutig in der dünnen Suppe herum. Sie hatten den ganzen Vormittag die Gegend durchstreift und keine weiteren Hinweise gefunden. Wie sollten sie dem Baron von Draningsforst nur helfen, der sie und die anderen Helden auf sein Gut gerufen hatte? Bislang gab es nur vereinzelte Sichtungen von Orks und einige erzählten von mysteriösen Geistern, die die Bauern in Angst und Schrecken versetzt hatten. So hatte der Baron nach Helden gesucht, die ihm diese Bedrohungen vom Hals schaffen sollten. Heute Nacht war nichts passiert, wenn man davon absah, dass eine junge Schwertkämpferin einer anderen Gruppe von Söldnern behauptete, auf dem Abort einen Geist gesehen zu haben. Unfug.

Aus Sicht der Spielgruppe

Logo des deutschen Rollenspiels Chimera Stones
Chimera Stones Rollenspiel

Mutlos saßen ihre vier Gefährten herum und warteten auf die Suppe. Auch sie waren ratlos. Plötzlich spannte sich der Löffel und rührte ganz von selbst in der Suppe herum. Als würde jemand anderes den Löffel führen. „Leute!“ schrie Alrune auf. „Da rührt wer anderes die Suppe!“ Die Freunde sprangen auf und stürmten herbei. „Nicht loslassen!“, schrie ihr die Wüstenmagierin Nedime ins Ohr, die immer sehr aufmerksam war. Auch die anderen drei standen jetzt um sie herum, Jurge Tjalfson aus dem eisigen Norden lehnte auf seiner großen Axt, wie immer, wenn er zuhörte, und die Brüder Rahjan und Eberhelm Treublatt. Gespannt schauten sie auf den Topf. „Es sind Buchstaben!“, rief Alrune. Laut sprachen sie mit: E-H-T-Z-U-R-D-R-E. „Ehtzurdre?“ Jurge sprang auf. „Was ist das denn wieder für ein komisches Wort? Oder ist das wieder so eine Geheimsprache von den Elfen? Elfen sind fast genauso schlimm wie Orks!“ Aber Rahjan beruhigte ihn: „Das sind mehrere Wörter. Und außerdem war es noch nicht zu ende. Hör einfach zu!“ Die Magisterin Nedime sprach es schließlich aus: „Eht zur Dreiwolfsschlucht. Da fehlt wohl noch ein Buchstabe am Anfang. Nun ja, aber jetzt wissen wir, wohin wir gehen müssen, oder. Los, lasst uns aufbrechen!“ Der stumme Eberhelm nickte lächelnd und präsentierte die Karte, die er am gestrigen Abend beim Baron abgezeichnet hatte. Eilig packten sie ihre Waffen und ließen die Suppe Suppe sein. Der Spielleiter, der den Löffel geführt hatte, schaute ihnen grinsend hinterher. Er wusste schon, was sie erwartete.

…und im wahren Leben…

Alrune heißt im wahren Leben Sandra, sie studiert Medienkommunikation. Sie lebt mit Rebecca in einer Wohngemeinschaft, die Nedime spielt und bei einer Zahnärztin arbeitet. Jurge lernten sie als Nils auf einer Party der Juristischen Fakultät kennen. Der kannte wiederum den Grundschullehrer Karsten, der seinen Bruder Falko mitbrachte, der eigentlich als IT-Techniker arbeitet. Sie spielen als Gruppe auch Pen&Paper-Rollenspiele und wollten einfach mal ausprobieren, wie denn das Live-Rollenspiel so ist. Jetzt sind sie seit drei Jahren dabei und völlig gefangen. Zwei- bis dreimal im Jahr fahren sie als Gruppe auf solche Wochenenden.

Handlung und Spielregeln

Nicht zu vergessen, in der beschriebenen Szenerie, ist der Spielleiter (auch SL genannt) Karl, der während des Rollenspiels von der Gruppe absichtlich übersehen wurde und sich das kleine Rätsel um die Buchstaben ausgedacht hat. Im realen Leben arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität und hat in seiner Freizeit Spaß daran, sich abenteuerliche Geschichten und Aufgaben zu überlegen. Er kannte die Spielgruppe von Alrune vor diesem Wochenende noch überhaupt nicht, aber er hat einen Reisenspaß daran sich als Spielleiter zur Verfügung zu stellen. Als Spielleiter ist er sichtbar anders gekleidet, damit er als „unsichtbar“ im Spiel von allen erkannt wird. Karl behält die Spielregeln im Blick, treibt die Handlung voran oder koordiniert den Einsatz der Statisten (sogenannte NSC – Nicht-Spieler-Charaktere), wie z.B. Sebastian, der den Baron von Draningsforst verkörpert.

Warum eigentlich LARP?

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Was bringt Menschen eigentlich dazu, sich in mittelalterliche Gewandungen, Rüstungen oder Fantasieuniformen zu zwängen, sich Ausrüstung zu kaufen oder zu basteln und ein Wochenende im Wald zu verbringen, um als Alrune, Jurge oder Nedime Abenteuer zu erleben und andere Leute als Schankwirte, Schwertkämpferinnen oder sogar Zwerge und Elfen kennenzulernen? Rollenspiel bedient eine Sehnsucht oder wahrscheinlich sogar sehr viele verschiedene Sehnsüchte, die aber mit dem jeweiligen Menschen sehr individuell verknüpft sind. Rollenspiel verschafft den Spielern den Raum, sich in dieser individuellen Art selbst zu verwirklichen. Hier können Bedürfnisse nach Abenteuer und Heldentum erfüllt werden, verbunden mit Risikofreude, Neugier, Spannung, Geselligkeit, mittelalterlichem Leben und Schauspiel. Auffällig ist bei vielen der Spaß an Rätseln. Andere brennen darauf, mit ihren gummigepolsterten Waffen Monster wie Orks, Goblins oder böse Drachen zu erschlagen. Mit anderen Worten, sie liefern sich wilde Schaugefechte mit Statisten und Requisiten (z.B. mit einer Ork oder Räuberbande oder einem als Drachen hergerichteter Bagger.

Wie funktioniert LARP?

Während des ganzen Wochenendes bleiben die Spielerinnen und Spieler in ihren Rollen, es kann zu Konflikten und auch Kämpfen zwischen den Gruppen kommen, aber auch zu Romanzen und zur Zusammenarbeit. Letztere ist aber auch notwendig, um die große Aufgabe des Wochenendes gemeinsam zu lösen.

Diese Veranstaltungen erfordern je nach Teilnehmerzahl inzwischen eine aufwendige Planung und Logistik. Mit kurzen Treffen ist es nicht getan. Zudem gibt es eine von den Organisatoren ausgedachte Handlung, die oft viele kleinere Handlungsstränge haben. Alle zusammen führen dann zum Erfolg. Meist gibt es am Ende eines solchen Wochenendes die Auflösung des Rätsels oder Abenteuers, im Bereich der Fantasy oft mit einer Schlacht. Dies wird besonders eindrucksvoll, wenn das Live-Rollenspiel mehrere hundert oder sogar tausende Mitspieler hat. Aber auch die kleineren mit 30 Teilnehmern erfreuen sich großer Beliebtheit. Man trifft sich auf abgelegenen Wiesen, in Wäldern, mietet Burgen und Ruinen, wo die Atmosphäre stimmt. Manchmal kommen auch Spaziergänger vorbei und wundern sich.

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