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Steig um auf Bus und Bahn

Ich sitze an meinem schönen Mitteltisch und lese dieses Buch. Abenteuergeschichte im Amazonasgebiet inklusive Entführung, also alles was zu einem guten Grundrezept gehört. Es gibt da leider nur ein Problem, es hat eine Frau geschrieben…

Ich quäle mich also ab und lese über die komplexe Gefühlswelt, während man sich kriechend im Dschungel bewegt, nicht zu vergessen, die äußerst hilfreichen Bekleidungstipps für einen solchen Fall. In Frankfurt am Main setzen sich dann zwei Damen zu mir an den Tisch und unterhalten sich ganz unbefangen. Eigentlich lästern sie ohne Punkt und Komma, es scheint fast so, als wären alle ihre Kollegen mit einem IQ knapp über einem Teebeutel ausgestattet. Das Gespräch dreht sich allerdings nicht nur um die fachlichen Kompetenzen, sondern wird jedesmal mit einer würzigen Prise persönlicher Kritik am Aussehen des Opfers serviert.
Natürlich hat Kritik ihren Platz und wenn man so ein Überflieger ist, warum soll man es die anderen Leute nicht wissen lassen.
An das Buch war nicht mehr zu denken und so trabte ich los und suchte in den endlosen schaukelnden Gängen ein Raucherabteil. Die Nerven brauchen ab und zu ihre kleine Pause. Schließlich fand ich einen hilfsbereiten Schaffner, der so freundlich war und mir mitteilte, dass es schon lange keine Raucherabteile mehr geben würde. Also niedergeschlagen wieder zurück an dein Platz um weiter dem Gespräch der zwei Damen zu folgen.
Diese schienen den ersten Durchlauf absolviert zu haben und fingen gerade wieder von vorn an. Die etwas Jüngere der Beiden nestelte an ihrer Brille ihren Glasbausteinen herum und folgte dem nicht enden wollend Monolog ihrer Kollegin. Das Thema bezog sich gerade auf die Chefs und wie sie wohl alle völlig unfähig in ihrem Job sind, sondern auch sonst im Leben wohl total versagt hatten. Die Dame mit dem Vortrag hatte nun aber ein völlig eigenes Merkmal, denn sie besaß kein Kinn. Also nicht, dass sie keins gehabt hätte, nein, aber zwischen ihrem Überbiss und ihrem etwas zu großem Hals, schien es einfach unterzugehen. Eine völlig gerade Linie von der Oberlippe bis zum Kehlkopf. Dazwischen irgendwo eine Öffnung, wohl Mund genannt, die in schrillen Tönen alles und jeden monierte. Sie hatte einfach kein Kinn, also gar keins, kennt ihr noch den Gehilfen des Doktors aus der Muppetshow? Wie hieß er noch gleich? Ach ja, Assitent Beaker, der immer Mi,Mi,Mi sagte.

Mimimi Ich schwöre Euch, diese Frau war die menschliche Vorlage für diesen Muppet. Ich war so sehr vom Grauen fasziniert, dass ich die ganze Zeit hinstarren musste. Meine größte Befürchtung war die, dass sie es als Anmache missverstehen könnte und mich direkt ansprechen würde. Gott sei dank stieg die beiden in Heidelberg aus und ich bekam dort neue Tischnachbarn.

Es konnte kaum noch schlimmer werden und so freute ich mich über diese nette kleine Familie, die sich zu mir setzte. Sie waren gerade im Urlaub und keine 5 Minuten später, war ich völlig integriert. Die Mutter schrie ihren motzenden Sohn an, der Sohn fand das Leben einfach nur scheiße, weil das Leben mit 13 nun einmal scheiße ist und ich unterhielt mich mit dem Vater über Fußball. Wenigstens können sich Männer immer aus solchen Dingen heraushalten, schließlich hat man ja den Rettungsanker mit dem Thema Sport. Nun ja, vielleicht vergaß ich hier noch eine Kleinigkeit über die Familie zu erwähnen… es waren Holländer…

Steig um auf Bus und Bahn…

Gruß

Euer

AMUNO

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

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