“Why we fight – War sells” kritisch betrachtet

Why we fight – Amerikas Kriege ist ein Film aus dem Jahr 2005/2006, der sich kritisch mit den Konflikten der USA seit dem 2. Weltkrieg auseinander setzt. Eugene Jarecki zieht eindrucksvoll Parallelen zwischen den einzelnen Konflikten und stellt kausale Zusammenhänge dar.

Vor allem geht es um die kausalen Ketten im Nahen Osten, über den militärisch-industriellen Komplex in der Politik und die imperialen Ansprüche Amerikas. Die Rolle einzelner politischer Personen zum 2. Irakkrieg wird ebenfalls kritisch betrachtet.

So sehr es auch gerade der Mode entspricht einen gewissen Antiamerikanismus an den Tag zu legen, sollte man den Film doch mit einem gewissen Abstand betrachten und nicht auf die populistischen Tricks hereinfallen. Das diverse Tricks in „Why we fight“ zum Einsatz kommen, soll anhand einiger Beispiel belegt werden:

Why we fight – War sell Dokumentation

– Als erstes hätten wir hier den Vater, der seinen Sohn am 9/11 verlor und dessen Namen dann auf seine Bitte hin auf eine Fliegerbombe geschrieben wurde. Die Begründung hierfür ist übrigens laut seiner eigenen Aussage „Jemand muss dafür bezahlen!“, was eigentlich Rache bedeutet und dies ist unserem Rechtsverständnis nach eines der Merkmale für Mord. Allerdings darum geht es hier nicht, sondern darum, dass dieser Vater selbst sagt, er wurde schon bei den Gründen für den Vietnamkrieg belogen! Der Spruch gebranntes Kind scheut das Feuer findet hier nicht wirklich sein bestes Beispiel.
2. Punkt bei diesem Vater, er spricht ja über Schuld und am Ende, ob er es bereuen sollte, dass der Name des Sohnes auf die Bombe in einem ungerechtem Krieg kam. Nun gut, wenn wir jetzt aber betrachten, dass er Kanonier in einem Vietnam-Helikopter war und wie er selbst sagte, da auch die sogenannten „Objekte“ getötet hat, sollte er vielleicht andere Prioritäten haben. Übrigens erinnert das Ganze so Absurd an den Kanonier aus Full Metall Jacket, dass es sich kaum einen Zufall handeln kann. Wer den Film kennt, der Kanonier dort prägte das Zitat: „Jeder der wegrennt ist ein Vietcong, jeder der stehenbleibt ist ein disziplinierter Vietcong!“ Sollte jemand der also selbst aktiv in einem ungerechtfertigtem Krieg in einer solchen Position gedient hat sich nicht ganz andere Fragen über Schuld stellen?

– Dann wäre da die gebürtige Vietnamesin, die in der amerikanischen Bombenentwicklung arbeitet. Dieser Widerspruch an sich zeugt auch nicht von einem sehr hochentwickelten kritischem Verständnis der Dinge.

– Dann wäre da der Widerspruch, dass in Why we fight – War sells die Armee der Vereinigten Staaten als Freiwilligenarmee dargestellt wird, bei der es dadurch keine Gegenargumente mehr aus der Gesellschaft gäbe. Nicht viel später wird aber die Geschichte dieses vom Schicksal gebeutelten Jungen erzählt, der statt einer psychologischen Hilfe lieber das Einberufungsbüro besucht. Das geistige Licht dises Jünglings leuchtet sogar so hell, dass er wirklich glaubt, das die Armee so doof wäre und ihn mit seinen persönlichen Problemen und seinem Versagen im zivilen Leben zum Piloten ausbildet.

Der Filmemacher scheint also nicht gerade vorsichtig mit der Popolismuskeule umzugehen, dabei winkt er sich selbst noch mit dem Zaunpfahl im Film zu, als er süffisant das Thema der „eingebetteten Journalisten“ behandelt.

Trotz dieser Punkte ist der Film auch jetzt 2008 sehr sehenswert, da er eben doch emotionalisiert und vielleicht den einen oder anderen allgemein zum Thema Krieg aufrüttelt. Andere Leute sind auch dieser Meinung und so wurde er 2006 mit einem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Zuvor 2005 erhielt er beim Sundance Filmfest in den USA den großen Preis der Jury und so weiter. Entweder sind die genannten Beanstandungen also anerkannte Provokationen oder sie erscheinen anderen nicht gleich ersichtlich. Sehr auffällig und gleichzeitig schade ist auch, dass der Film im Netz sehr wenig kontrovers diskutiert wird. Adolf-Grimme-Preise scheinen dann doch sehr einschüchternd auf die Internetcommunity zu wirken…

Gerade entdeckt, bei Google gibt es den kompletten Dokumentarfilm mit einer Funktion zum Einbau in die eigene Website. Somit also nicht nur die kritische Betrachtung und das Lob für diese filmische Arbeit, sondern sogar der ganze Film direkt hier.
Hier die Googlequelle vom 29.03.2008

 

Weitere einschlägige Links zum Thema und Trackbacks:

eigener Artikel zu den Kosten des 2. Irakrieg

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

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