Integrationsdebatte – Teil 1 – Das Problem

Ein kleiner Kommentar zur aktuellen politischen Debatte über die Integration in der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem sich das Thema nun wirklich über längere Zeit in den Medien hält, kommt man nicht umhin, auch einen eigenen Standpunkt festzulegen. Dies ist als politisch aktiver und denkender Mensch aber keineswegs einfach. Die Medien stellen das Thema schwarz/weiß dar, wobei diese These schon nach wenigen Gedankengängen unhaltbar ist. Im weiteren Artikel eine kleine Erörterung der einzelnen Punkte und ein paar weiterführende Gedanken.

Integrationsdebatte in der Bundesrepublik

– Das Problem

Grundsätzlich bin ich Deutscher und auch solcher geboren, meine Eltern ebenfalls und meine Großeltern auch. Deutsch spreche ich eigentlich schon immer, auch wenn man als guter Süddeutscher seine Muttersprache gerne als Schwäbisch bezeichnet. Deswegen steht es mir auf den ersten Blick nicht zu die Opferrolle einzunehmen und mich als politisch verfolgter Muslim hinzustellen. Inwiefern ich dieses Bild dennoch einnehmen kann, wird der weitere Artikel zeigen.

Von allen Seiten unbestritten ist, dass ein Integrationsproblem in der Bundesrepublik existiert. Selbst die Linke und die Grünen scheinen diesen Punkt mittlerweile zu akzeptieren. Schön zu sehen, dass beide Parteien auf diesem Gebiet langsam auch in der politischen Realität ankommen. Die Lösung und die Darstellung des Problems ist aber mindestens ebenso bunt gemischt, wie unsere Parteienlandschaft samt aller Verbände. Die einen fordern völliges Multi-Kulti, unser Präsident sagt, der Islam gehört zu unserem Selbstverständnis und unserer Kultur, Thilo Sarrazin mal das komplette Blatt gleich völlig schwarz aus und die NPD reibt sich immer noch verwundert die Augen und stammelt: „Da..Da..Das haben wir doch schon lange gesagt.“ Türkische und muslimische Verbände rennen schreiend durchs Land und behaupten, die Deutschen würden sie nicht herzlich willkommen heißen und die Integrationsangebote wären zu dünn gesät.

Die Realität außerhalb der Politik sieht anders aus. Die Menschen auf der Straße nehmen etwas völlig anderes wahr und haben eine ganz eigene Erfahrungswelt.  Man sieht in den Medien nur noch die Rüttli-Schule, angebliche islamistische Terroristen in Deutschland, Hassprediger und tödliche Attacken auf U-Bahn-Steigen. Man wechselt wieder die Straßenseite, wenn eine Gruppe Jugendlicher mit Immigrationshintergrund einem über den Weg läuft und zwar nicht um die Nase zu rümpfen, sondern aus Angst. Jeder sieht, wie der nette türkische Dönerverkäufer, 10.50 € verlangt und Momente später nur 1.- € in die Registrierkasse eingibt. Die Leute nehmen Berlin-Neukölln nicht mehr als einen wunderbaren bunten Teil unserer Hauptstadt wahr, sondern als einen Ort, an welchem man mit türkisch weiter kommt, als mit Deutsch.

Die Leute sehen, dass im islamischen Glauben die Frau keine gleichberechtigte Stellung neben dem Mann einnimmt. Man sieht Zwangsehen, man liest von Ehrenmorden und irgendwie stört es auch, dass selbst das organisierte Verbrechen nicht mehr in deutscher Hand liegt. Man nimmt ganz viele Leute wahr, die seit 20 Jahren ihr Leben in Deutschland verbringen, aber kein Wort deutsch sprechen. Junge Bürger, die auf dem Arbeitsamt ihren deutschen Pass vorzeigen, aber sobald sie auf der Straße stehen laut schreien, klar bin ich Türke, Kurde. Viele sind schon froh, wenn es sich dabei nicht um jugendliche Intensivtäter handelt.

Wo sind die braven türkischen Gastarbeiter hin, welche beim Daimler am Band stehen und fleißig ihrer Arbeit nachgehen? Es scheint fast so, als wären sie aus der öffentlichen Wahrnehmung gänzlich verschwunden. Dem Gegenüber stehen als gelungene Integrationsobjekte Mesut Özil, dem man finanzielle Interessen nachsagt und der nicht unbedingt aus Liebe zum Grundgesetz, für die deutsche Nationalmannschaft spielt. Überhaupt wird die deutsche Fußballnationalmannschaft als das Integrationsprojekt überhaupt hingestellt. Die Politik verkennt allerdings, dass eine Nationalmannschaft mit 50% Immigrationshintergründen, den Bürgern auch angst machen könnte. Warum werden denn Spieler wie Müller so gehypt und ausgerechnet mit Platetüden belegt, wie „die guten deutschen Tugenden“.

Eben innerhalb dieser Wahrnehmung läuft die zur Zeit hitzig geführte Debatte ab. Die Bevölkerung befindet sich mittlerweile einer allgemeinen Xeonophobie (Angst vor Fremden), die durchaus von der Politik mitverschuldet wurde. Sogenannte Islamkritiker gießen zusätzliches Benzin ins Feuer und heizen die Debatte weiter an, während die Medien sie verteufeln und als grundsätzlich böse hinstellen. Auch sollte man die Problematik nicht nur auf ein rein deutsches Thema beschränken. So wird die niederländische Regierung mittlerweile von Gert Wilders geduldet und die Schweizer haben in einem Referendum ein Minarettverbot erlassen.

Aussicht auf Teil 2

Der zweite Teil der Artikelreihe wird sich mit diversen Lösungsansätzen beschäftigen. Welche Integrationsangebote gibt es, welche Möglichkeiten hat man sich selbst zu integrieren und sollten wir uns vielleicht nicht auch ein wenig an die eigene Nase fassen und offener sein? Dazu sollen noch weitere Berichte und Erfahrungen aus der Blogszene verlinkt und diskutiert werden.

Hier geht es weiter zu Teil 2 – Die Integrationsdebatte

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

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