Deutsche und Nazis

Einen eindrucksvollen Artikel „Deutsche und Nazis“ gibt es auf Manfres politische Korrektheiten. Im Mittelpunkt des Beitrags steht das kollektive Verhalten der Deutschen mit Hauptaugenmerk um 1933.  Zur Sprache kommen verschiedene Ansätze zur Machtergreifung der Nationalsozialisten und der aktiven bzw. passiven Unterstützung aus der Bevölkerung.

Sehr gelungen ist der gesamtheitliche Eindruck, der mit diesem Artikel beim Leser erweckt wird und die einzelnen soziologischen Ansichten werden sehr anschaulich erklärt. Es mag sein, dass es nicht für jeden auf Anhieb verständlich ist, aber sollte man einschlägig etwas belesen sein, so erkennt man die Leistung.

Offen bleiben allerdings einzelne empirische Fragen über das kollektive Verhalten, da grundlegend mit der Begründung der sozialen Vernetzung davon ausgegangen wird, dass es eine Bewegung in der Masse gibt. Gerade der Bezug des Individums zum Kollektiv wird durch seine unausweichliche Prägung innerhalb der Gesellschaft erklärt und dennoch wird davon ausgegangen, dass diese Prägung mit entscheidend für die Grundbewegung der Gruppe sei. Unbestritten ist, dass die kulturelle Umgebung sich auf die Gewohnheiten und Verhaltensweisen des Einzelnen auswirkt, doch sollte man sich an dieser Stelle vor einer Verallgemeinerung hüten.
Es wäre nur Konsequent, wenn sich der Artikel weiterhin mit der Grundfrage beschäftigen würde, ob überhaupt ein kollektives Verhalten gegeben sei. Zwar wird die Frage des Konformismus und Nonkonformismus mit weitergehenden Verweisen angeschnitten, doch die Grundfrage der Partizipation auch über ein vorgegebenes Normalmaß wird nicht behandelt.
Geht man von einer inaktiven steuerbaren Masse aus, welcher offensichtlich unmittelbar keinerlei Nachteile durch den Machtwechsel beschert wurden, stellt sich die Frage, nach einem kollektiven Verhalten gar nicht. Man darf sogar davon ausgehen, dass sich die Machtergreifung in einer relativen Freiheit der Masse abspielte. Damit soll keineswegs die Angriffe und der Druck auf den damaligen politischen Gegner herabgewürdigt werden, sondern viel mehr die Situation der Bevölkerung dargestellt werden.

Gut ist die Darstellung der damaligen Parteien als strukturierte militärische Systeme und des darauf aufgebauten Parteiverhaltens. Ein weiterer gelungener Punkt ist die Auseinandersetzung mit der um 1905 geborenen Generation, die idiologisch durch den ersten Weltkrieg und der damaligen Propaganda geprägt wurde. Allerdings möchte ich auch hier vor einer Pauschalisierung warnen, denn betrachtet man die Sitution der im Naziregime aufgewachsenen Generation, so fragt man sich, warum diese dann mit dazu beitragen konnte, dass es solche massiven gesellschaftlichen Veränderungen in den 60ern gab.

Abschließend sei dieser Artikel, auch trotz seiner partiellen Schwächen jedem Interessierten ans Herz gelegt. Es ist ein erfrischendes Stück lebendiger aktueller Auseinandersetzung mit der damaligen Zeit, ganz abseits des sonst medialen Überangebots durch Guido Knopp und Konsorten.

Veröffentlicht von

Marc

Hi, ich bin der Marc und schreibe ab und zu fürs Literaturasyl. Ich lese gerne, mag die klassische Literatur und halte Bücher für den schönsten Wandschmuck. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter ein Hörbuch. Egal ob Roman, Krimi, Thriller oder Sachbuch: wenn es gut geschrieben ist, finde ich es gut.

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